Sonntag, 31. März 2013

Osterfeuer und der Tag danach

Vorweg eine kurze Info: Dies ist die Beschreibung eines Ereingisses, wie ich es wahrgenommen habe. Sollten sich einzelne oder mehrere Personen hierdurch angegriffen fühlen, lest bitte hier weiter

"Alle Jahre wieder..." - ich stehe auf Dorffeste. Mindestens zweimal im Jahr (zum Osterfeuer und zum Völkerballtunier) treffen sich alle Dorfbewohner auf dem Dorfplatz und konsumieren Unmengen an alkoholischen Getränken. Dabei kommt es zu einem faszinierenden Phänomen. Man betritt den Platz, gesellt sich zu einer bestehenden Menschenansammlung und hat sofort drei Getränke in der Hand. Bei uns auf dem Dorf liegt die Vorliebe diesbezüglich bei Bier, Charlie (Springer mit Cola) und Kümmerling. Wenn man Pech hat, wiederholt sich das einige Male am Abend und das kann böse enden. Da ich glücklicherweise nur über ein Feld gehen muss, um wieder zuhause zu sein, stehe ich dem exessiven Alkoholkonsum positiv gegenüber.
Der gestrige Abend war...in gewisser Weise anders. Erstmal war es arschkalt, es lag Schnee und es schneite den ganzen Abend kontinuierlich weiter. Mal ganz ehrlich, schön gekühltes Bier schmeckt nicht, wenn es so kalt ist. Ich habe eins probiert und dann beschlossen, was anderes zu trinken. Aufgrund der Witterungsbedingungen hatten unsere vorrausschauenden Dorfältesten Glühwein besorgt - perfekt!!! Jemand hatte noch einen Tannenbaum aufgetrieben, der natürlich direkt an der Einfahrt aufgestellt wurde, so dass man in richtige Weihnachtsstimmung kam (Ende März, aber okay). Mit viel Stroh und Spiritus, fing auch endlich das Osterfeuer zu kokeln an. Der Abend konnte beginnen.
Innerhalb der ersten Stunde wurde mir bewusst, dass ich schon länger zu wenig Kontakt zu Nachbarn und anderen Dorfbewohnern hatte. Ich wurde erstmal gründlich darüber geupdatetet, wer Oma geworden ist, wer verstorben ist, wer welche Krankheit hat, wohin alle dieses Jahr in Urlaub fahren etc. Natürlich durften Lästereien über gewisse Einzelpersonen nicht fehlen "Hast du schon gehört...das ist ja unmöglich". Das absurde an diesem verbalen Austausch ist, dass immer nur über abwesende Personen geredet wird, d.h. wenn du nicht willst, dass Andere über dich reden, sei immer anwesend und rede über Andere. Das Ganze ist nicht sonderlich tiefsinnig, bietet mir aber eine angenehme Abwechslung zu meinem sonst eher stressigen, kopflastigen Alltag.
Unbeabsichtigter Weise wurde ich gestern dörfischem Klatsch und Tratsch in eine politische Disskusion verwickelt. Ausgangssituation: Der Bürgermeister unserer Gemeinde (CDU) ist vor ein paar Wochen verstorben und jetzt finden nächste Woche Neuwahlen statt. Da unsere Gemeinde größtenteils aud landwirtschaflichen Betrieben besteht, hat die CDU hier unangefochten die Oberhand. Leider hat sich die Partei und insbesondere der Bürgermeisterkanditat hier im Dorf ziemlich unbeliebt gemacht; es geht um den Bau einer Hähnchenmastanlage und eines Schlachtbetriebes im Nachbarort (grandioses Thema für mich). Die CDU befürwortet das, bringt halt Geld in die Gemeinde etc. Die SPD ist, ebenfalls wie der Großteil der Anwohner, dagegen. Das bringt natürlich alle Personen, die hier leben, in eine fürchterliche Lage - wird die Partei gewählt, die immer gewählt wird oder diejenige, die das macht, was man selber will. Eine verbale Schlammschlacht brach gestern los - I love it!!! "Mastbetriebe sind schrecklich" vs. "Aber du kaufst doch auch immer das günstige Fleisch vom Discounter, das kommt doch aus Mastbetrieben" Ich hörte die ganze Zeit zu und lächelte in mich hinein. Auf einmal klingelten mir zwischen Glühwein und Kümmerling die Ohren "Was sagst du denn dazu, du lebst doch vegan?" - oh verdammt, jetzt musste ich mich auch noch an dieser Disskusion beteiligen. Da sprachen zwei Fakten dagegen: Ich war betrunken und ich disskutiere ungerne über Themen, wo es nur eine Antwort drauf geben kann. Ich bin kurz in mich gegangen und habe dann eine kurze Rede über Konsumverhalten, Eigenreflexion und meiner Einstellung zur Fleischproduktion geschwungen. Die  Kernassage dabei: " Jeder einzelne ist für sein Handeln verantwortlich. Wenn ich günstiges Fleisch kaufen möchte, unterstütze ich automatisch Massentierhaltung und -schlachtung. Natürlich ist Massentierhaltung abartiert, aber ich kann mich nicht permanent darüber aufregen und keine Konsequenzen für mich daraus ziehen. Jeder kann sowas verhindern, er muss nur sein Handeln ändern". Einige wenige gaben mir Recht, andere waren gedanklich damit überfordert, wie man keine Milch- und Eierprodukte zu sich nehmen kann und wieder anderen war das ganze Thema zu hoch. Unser Dorfvorsteher (CDU) hat noch einen letzten verzweifeleten Versuch unternommen, mich für seine Partei zu gewinnen - "Aber unser Kandidat ist intelligenter als derjenige der SPD und er hat letzte Woche bei uns im Dorfhaus Freibier und Bratwurst ausgegeben" - Ohne Worte :)
Ich bin dann ziemlich bald gegangen, weill mir der Glühwein auch einfach zu sehr zu Kopf gestiegen war und es immerhin schon halb zwei Uhr nachts war..
Heute morgen bin ich viel zu früh aufgewacht (7Uhr), hatte tierische Kopfschmerzen und null Motivation, das Frühstück vorzubereiten. Bin also erstmal bis halb 9 demonstrativ liegen geblieben. Als ich mich endlich aus dem Bett quälen konnte, begrüßte mich auch gleich eine unsere Katzen mit ihrem allmorgendlichen "Hurra, du bist endlich wach und ich habe so großen Hunger, dass ich gleich sterbe" - Gejammer. Also Katzen versorgt, mit dem Hund eine kurze Runde gedreht und ab in die Küche, natürlich möglichst leise, damit meine Mädels nicht aufwachen. Rührtofu vorbereitet, mein erster Versuch mit drei Tofusorten

Rührtofu

- eine Zwiebel
- 200g normalen Tofu
- 100g Räuchertofu
- 140g Seidentofu
- Schnittlauch
- Salz (ich nehme hierfür Kala Namak), Pfeffer, Curcuma, etwas Sojasoße
- etwas Öl

Zwiebel kleinschneiden. Räuchertofu in kleine Würfel schneiden und zusammen mit den Zwiebeln und Öl in einer Pfanne braten. Normalen Tofu mit einer Gabel zerdrücken, mit in die Pfanne geben. Gewürze hinzugeben und weiterbraten. Zum Schluß den zerkleinerten Seidentofu und den Schnittlauch hinzugeben, nochmal abschmecken, FERTIG

Ich habe schon viele Rührtofurezepte ausprobiert, aber dies hier überzeugt mich doch am meisten. Durch den Seidentofu (der leider ziemlich teuer ist), bekommt das Zeug eine echt schöne Konsistenz, fast wie echtes Rührei. Eine echte Empfehlung für Rührtofu oder auch andere eierähnlichen Rezepte ist Kala Namak - schwarzes Salz. Es wird genauso wie anderes Salz verwendet und gibt an die Gerichte geschmacklich ne richtige Eiernote.
Noch Aufbackbrötchen in den Ofen und dann begann der spaßige Teil des Tages "OSTERSUCHE" Mein Nest habe ich ziemlich schnell gefunden und es sofort geliebt.







Inhalt: "Kochen ohne Knochen" - Das Ox-Kochbuch 5
            eine Flasche Ol´s - Oldenburger Pilsener
            ein Schokoosterhase
            ein paar Schokalade-Riegel
            Popcorn
            ein Spacebarriegel

Anschließend konnte das große Fressen starten. So sah der Tisch aus






LECKER!!!!
Leider musste ich hierbei feststellen, dass der Osterzopf die verlängerte Backzeit nicht so gut vertragen hat, geschmacklich super nur viel zu trocken *schnief*
Wir habens uns richtig gut gehen lassen. Nach ca. einer Stunde haben wir uns vollkommen übersättigt vom Tisch begeben. Vorrausschauend lag im Osternest unserer Tochter eine DVD, also entspannter Vormittag :)
Gegen frühen Nachmittag haben wir das Gemeinschaftsprojekt "Dekorieren der Rüblitorte" gestarten. Daraus wurde:



Diese wurde auch direkt danach angeschnitten. Wie schon so oft musste ich feststellen, dass mein Magen viel zu klein ist - das war soooooooooooooo geil, aber leider hat mein Bauch mich bereits nach dem ersten Stück verflucht und gestreigt...schade. 
Die Nachmittags- und Abendgestaltung verlief aufgrund von Übermüdung und zu vollen Bäuchen sehr unspektakulär - süßes Nichtstun. So mag ich Feiertage :)




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