Montag, 22. April 2013

Wissen ist Macht und unbequem!!!

Ich habe da ein kleines Problem und das nennt sich Interesse verbunden mit lebhaften Gedanken. Wie sich dieses Problem äußert? Ich versuche das mal am Beispiel meiner (ich schreibe bewusst "meiner", da die meisten Menschen unterschiedlich konsequent damit umgehen) veganen Lebensweise zu erklären: Ich habe über zehn Jahre vegetarisch gelebt, war zufrieden, hab mich gut und umsichtig damit gefühlt. Natürlich wusste ich um die negativen Auswirkungen von Milch- und Eiprodukten (komm ja vom Dorf), aber ich habe mir da einfach keine großartigen Gedanken drüber gemacht. Das ist letztlich wie mit dem Rauchen; natürlich weiß ich das Rauchen tödlich sein kann, aber ich kann diesen Umstand ganz gut wegignorieren und rauche beherzt weiter. Ich schätze das geht allen Menschen so, wenn sie sich nicht informieren, ist auch kein Problem da.
Irgendwann trat folgendes Problem auf, ich verlinkte mich via Facebook mit der PETA-Seite und da tauchte folgendes Bild auf
Das ist doch mal ganz gewaltiges Kopfkino, oder???
Ich, als leidenschaftlicher Fan von Rührei, Kuchen, Soufflees etc. bekam ab sofort Ekelgefühle vor Eiern. Dies steigerte sich durch intensives Recherchieren auf der Petahomepage, bei Youtube etc. Bei jedem Glas Milch hörte ich Kälber blöken, sah Mastitis an Eutern und kam letztlich zu dem Schluss, dass ich das nicht mehr konsumieren kann und möchte.
Doch das war erst der Anfang, es folgte umfassendes Informieren über wie und warum vegan ernähren. Zwangsläufig stößt man dann auf Themen, wie Kosmetik und Kleidung, Medikamente und nicht zuletzt versteckte Inhaltsstoffe.
Drei Beispiele aus der näheren Vergangenheit:
- eine Freundin von mir kaufte sich ein paar Schuhe. Sie waren zu klein, aber (wie Frauen so sind) da es die nicht in der passenden Größe gab, wurden die kleinen Schuhe gekauft. Tage später wurde der Kauf bereut (Blasen) und die Schuhe wurden mir geschenkt. Wunderschöne Schuhe, die haben mir sehr gut gefallen. Es gab da nur ein Problem - sie waren aus Leder. Ich dachte mir, einem geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul (ich bin ein toleranter Veganer), aber musste sie nach Tragen zurück geben, da ich permanent an Kuhhäute dachte und es mich anekelte.
- der Sohn einer Bekannten hatte Konfirmation. Sie trat mit der Bitte an mich heran, eine Bayern-München-Torte zu backen. Klar, kein Problem - dachte ich. Hab die Torte natürlich vegan gemacht, bis auf eine Kleinigkeit, rote Lebensmittelfarbe. Der Farbstoff Karmin wird gewwonnen, indem man Schildläuse auskocht. Ich habe vergeblich versucht, vegane rote Lebensmittelfarbe, die mir den gewünschten Effekt bringt, aufzutreiben und letztlich die konventionelle Farbe genommen ("ich muss die Torte ja nicht essen") Bei der Zubereitung malte ich mir im Kopf diesen Auskochprozeß aus und mir wurde schlecht. Die Torte ist dennoch hübsch geworden :)

- Wieder Thema Rauchen; vor wenigen Tagen wurde mir durch den Blog Vegpool schmerzhaft bewusst, dass Tabakkonzerne ihre Produkte an Tieren testen...hätte ich mir ja denken können, aber wie bereits gesagt, wenn ich mich nicht informiere, sehe ich auch kein Problem. Mit fürchterlichen Szenen in meinem Kopf rauchte ich meine letzte Schachtel rote Gauloise und meinen Beutel Pueblo zu Ende. Hätte ich nicht ne tierversuchsfreie Alternative entdeckt, hätte ich das Rauchen aufgeben müssen. Ich rauche jetzt Manitou - schmeckt sehr gut (soweit man Rauchen als lecker empfindet) und ich bin diese Bilder aus meinem Kopf los
Wahrscheinlich tun sich in meinem Wissen noch große Lücken bzgl. der veganen Lebensweise auf oder dem bewussten Umgang mit unseren Ressourcen. Zumindest entdecke ich immer wieder neue Aspekte, wo ich mir denke "Echt???? Okay, muss ich anders machen"
Aber mal ganz ehrlich, manchmal nervt das. Natürlich ist es super, sich zu informieren, Wissen zu sammeln und Konsequenzen für sich selbst, seine Mitmenschen, seine Umwelt usw. zu ziehen. Aber sein ganzes Leben darauf auszurichten ist sehr anstrengend bzw. echt unbequem.
Noch ein Beispiel - mein Coca-Cola-Problem: Ich habe mal einen Clip bei Youtube gesehen, hier zu finden. Glaubt ihr, ich konnte danach noch irgendwas ruhigen Gewissens von dieser Marke kaufen? Und damit meine ich nicht nur Cola, Fanta, Sprite. Dazu zählt auch Nestea, Appolinaris, Bonaqua etc.
Großkonzerne wie Nestle, Kellogs, Langnese etc betreiben Tierversuche. H&M, C&A und wie sie alle heißen unterstützen Kinderarbeit und insgesamt unmenschliche Arbeitsbedingungen in der dritten Welt. Was kann man überhaupt noch ruhigen Gewissens kaufen?
Ich mache die Erfahrung, dass Wissen einen bereichert, ich die Möglichkeit habe, mein Leben besser und bewusster zu machen, aber dies geschieht manchmal um einen ziemlich hohen Preis und zwar den meiner Genußfähigkeit. Versteht mich nicht falsch, ich lebe gerne so, wie ich lebe und ich möchte auch kein anderes Leben führen. Aber manchmal vermisse ich die Zeiten, wo ich abends eingeladen werden konnte, ohne mir meinen eigenen Sekt mitzubringen.
Aber ich lerne dazu, ich lese nicht mehr so viel :)
Ich denke mittlerweile, dass jeder kleine Schritt, unabhängig wie und wann und wie konsequent man ihn geht, ein Schritt in die richtige Richtung ist. Ich denke immer über sehr viel nach und ziehe meine Konsequenzen, aber ich übe mich in Toleranz mir selbst und auch Anderen gegenüber. Letztlich ist bewusstes Leben, ob jetzt wegen der Umwelt, Tieren, Globalisierung oder sonst etwas, wichtig und richtig, aber ich will meinen Spaß dabei nicht verlieren. Nicht-Wissen tut daher auch mal ganz gut :)



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