Freitag, 31. Mai 2013

Eine Hommage auf meinen Thermomix

Da ich mich momentan soviel aufrege wegen der Schlachthof-Ahlhorn-Geschichte, dachte ich mir, ich beschäftige mich heute mal mit was ganz anderem - zuviel Ärger ist auch nicht gut.
Wie man bereits auf einigen Rezepten auf meinem Blog erkennt, besitze ich eine  Thermomix. Okay, es ist nur ein technisches Gerät, eine Küchenmaschine, nichts weltverbessenderes oder abetungswürdiges...aber ich werde jetzt mal mutig und oute mich als totaly süchtig nach diesem Teil.
Versteht mich nicht falsch, ich will hier keine Schleichwerbung machen, eher so eine Art Hommage schreiben (leichte Übertreibung); er/sie/es hat es verdient. Also los:

Es begab sich zu einer Zeit, da eine holde Maid (das bin ich) sich aufmachte, das Kochen zu erlernen. Nach Jahren der Knechtschaft im Hause ihrer Eltern, welche sich tagtäglich mit dem Verzehr von toten Getieren die Mahlzeiten verschönten, was der Maid absolut zuwider war, floh sie des Nachts, um fortan frei und ungebunden die kulinarischen Freuden des Lebens zu entdecken. Das Problem, dass sich ihr stellte, war jedoch, dass sie nicht gerne kochte. Zuviel Arbeit, zu viel Zeitaufwand trieben sie schnell in die Welt der Schnellgerichte.
Es begab sich zu der Zeit, dass ein Aufgebot von der hoheitlichen Firma Vorwerk ausging, die Menschen in der Gegend mit einer neumodischen Erfindung zu beglücken.  Diese Erfindung trug den Namen Thermomix und war einzigartig. Sie brachte Erleichterung und Glückseeligkeit in die Herzen der Menschen, die sich ihrer annahmen. Dafür forderte sie aber auch einen hohen Preis. Nahezu 1000 goldene Taler sollte dieses Wunderwerk seine zukünftigen Besitzer kosten. Die holde Maid hörte davon und beschloß rasch, dass kein Glück der Welt diesen Preis rechtfertigte.
Eines Tages traf die holde Maid eine Drafe (Mischwesen aus Drache und Elfe - meine Frau :) - entschuldigung Schatz), die für ihre einnehmenden Emotionsausbrüche weithin berüchtigt war; weinte die Drafe, mussten die Menschen um sie herum auch weinen, lachte die Drafe, taten die anderen es ihr nach und hatte sich die Drafe einen Plan in den Kopf gesetzt, konnte sie so lange reden, bis die anderen nachgaben. Die Drafe wanderte von jeher durch die Lande auf der Suche nach einem Wesen, mit dem sie ihr Leben teilen konnte. Als die holde Maid und die Drafe sich sahen, verliebten sie sich augenblicklich und beschlossen fortan gemeinsam durchs Leben zu streifen. Nach einiger Zeit hörte auch die Drafe das Aufgebot von Vorwerk und sie war begeistert. Kulinarische Köstlichkeiten und das alles ohne viel Arbeitsaufwand, dass war eine Botschaft nach der Drafen Geschmack. Und so setzte sie sich einen Plan in den Kopf und begann zu reden. Minuten, Stunden, Tage und Wochen vergingen, die holde Maid blieb standhaft, immer noch überzeugt davon, dass kein Glück der Welt diesen Preis rechtfertigte. Es vergingen noch viele Monate, die Drafe redete und redete am Tage und in den Nächten, bis die holde Maid sich ergab. Und so zog kurz darauf das angepriesene Wunderwerk im Heim der Drafe und der holden Maid ein.
Welch ein Staunen und Juchzen ging durch das Heim, als der Thermomix sein Können entfaltete. Es wurde gekocht, geknetet, gemahlen, gemust, geschreddert, gemixt, gegart, geschrotet - ohne stundenlanges In-der-Küche-stehen. Die holde Maid, die so ablehnend dieser Erfindung gegenüber gestanden hatte, bereute ihre Worte, da sich ihr auf einmal ganz neue Möglichkeiten boten. Sie enwickelte sich zu einer leidenschaftlichen Köchin und Selbermacherin und werkelte fortan jeden Tag in der Küche. Und so fand nicht nur die Maid ihre Erfüllung, sondern auch die Drafe, welche die neu gewonnene Leidenschaft der Maid in vollen Zügen mitgenoß. Und die Moral von der Geschicht: Wunder glaubt man oder nicht!

Die Geschichte ist nur minimal übertrieben. Ich will ja jetzt auch keine Werbung oder so machen, einfach nur das Statement abgeben "I love my Thermomix"
Dazu auch ein paar gesammelte Rezepte aus den letzten Tagen

Mandelmus
400g blanchierte Mandeln (nicht weniger, sonst packt der TM das nicht so gut)

Die Mandeln auf einem Backblech mit Backpapier verteilen und bei 200Grad in den vorgeheizten Ofen schieben. Abwarten, bis sich das Öl anfängt in Tröpfchen auf den Mandeln hervorzutreten (das dauert nicht lange). Nicht länger im Ofen lassen, da es sonst dunkles Mandelmus gibt. Die Mandeln alle in den Mixtopf geben und 2Min/Stufe 10 pürieren (das wird sehr laut und dampft, nicht wundern). Dann mit dem Topfschaber das Zeug am Rand runterschaben und nochmal 2Min/Stufe 7 pürieren. Nochmal das ganze runterschaben und das ganze wiederholen, bis schönes Mus draus geworden ist (Gesamtpürierdauer ca. 6 Minuten). Anschließend in ein Glas umfüllen und abkühlen lassen.


Apfel-Linsen-Salat (für 2 Portionen)
200g rote Linsen
1 Apfel
1 rote Zwiebel
2 El Olivenöl
1 El Balsamico Bianco
1 El Apfelsaft
1 El Agavendicksaft
2 Tl Schnittlauch (gehackt)
Salz+Pfeffer

Die Linsen mit kaltem Wasser abspülen, in der doppelten Menge Wasser in TM geben und 10Min/100Grad/Linkslauf/Stufe 1 kochen. Anschließend umfüllen und abkühlen lassen. Zwiebel und Apfel in TM geben und 5Sek/Stufe 5 zerkleinern. Die Linsen und die restlichen Zutaten hinzugeben und 10Sek/Linkslauf/Stufe 3 verrühren


Rhabarber-Crumble-Kuchen
750g Rhabarber
100g Zucker
1 Pk. Vanillepuddingpulver
150g Margarine
120g Zucker
260g Vollkornmehl
1/2 Tl Zimt
60g Walnüsse
1 Prise Salz

Walnüsse in TM geben und 3Sek/Stufe 5 zerkleinern, anschließend umfüllen. Rhabarber waschen, wenn nötig schälen und in Stücke schneiden, zusammen mit 100g Zucker und Puddingpulver vermischen, zur Seite stellen. Weiche Margarine und Zucker in TM geben und 30Sek/Stufe 3 schaumig rühren. Mehl, Zimt, Nüsse und Salz dazu geben und 1 1/2 Min/Teigstufe verkneten. Der Teig ist ordentlich krümmelig. Eine Kuchenform nehmen und mit Backpapier auslegen. Ca 3/4 des Teiges auf den Boden der Form verteilen und plattdrücken. Rhabarberzeug drauf verteilen und den restlichen Teig als Streusel oben drauf verteilen. Bei 180 Grad (O-/U-Hitze) ca 35Minuten backen lassen, bis die Streusel etwas braun sind. Wer will, kann irgendwas sahnemässiges dazu machen, muss aber nicht. Der Kuchen klappt auch mit anderem Obst




Blumenkohlcrunsh mit Currysoße mit Kartoffeln und Sojastreifen
2 Soja BigSteaks
Kartoffeln (für 3 Personen habe ich 6 große Stück genommen)
1 großen Blumenkohl
30g Mandeln 
20g gepopptes Amaranth
4 El Olivenöl
60g Mandelmus
1Tl Currypulver
Salz + Pfeffer

Sojabigsteaks nach Packungsanleitung zubereiten, anschließend in Streifen schneiden. Kartoffeln schälen und in Stücke schneiden. Mandeln in den Mixtopf packen und 5Sek/Stufe 6 hacken, anschließend umfüllen. Ca. 1,5 Liter Wasser mit Salz in den Mixtopf füllen, Kartoffeln in den Gareinsatz packen und das Ding einhängen. Blumenkohl in Röschen schneiden, in den Varoma legen,salzen und pfeffern und auf den Mixtopf setzen. Kartoffeln und Blumenkohl 30Min/Varoma/Stufe 1 garen.
Gehackte Mandeln mit Amaranth und 2El Öl vermischen, salzen. Mandelmus mit Currypulver und 100ml Wasser mischen, nach Geschmack salzen und pfeffern. Die Soße kurz aufkochen, wenn die zu sehr eindickt, etwas Flüssigkeit dazugeben.
Sojabigsteaks in der Zwischenzeit braten.
Blumenkohl in eine Schale umfüllen und zusammen mit dem restlichen Öl und dem Mandel-Amaranth-Gemisch verrühren. Alles zusammen servieren



Blaubeer-Matcha-Shake
250ml Hafermilch
50g gefrorene Blaubeeren
1 El Mandelmus
etwas Agavendicksaft zum Süßen

Alles in den Mixtopf packen und 30Sek/Stufe 6 pürieren - Fertig!!! 



Dienstag, 28. Mai 2013

"Ich-bin-wer-ich-bin" ist manchmal leichter gesagt, als getan

Ich stehe zu meinem Leben!
Ja, ich mache viele Dinge anders. Ich bin aus Überzeugung Veganerin geworden, obwohl ich auf einem Dorf lebe, obwohl meine Eltern mit Landwirtschaft ihr Geld verdienen und obwohl ein großer Teil meiner Familie sich damit brüstet, einen Jagdschein zu besitzen. Ja, ich bin eine Lesbe und mit der tollsten, liebenswürdigsten, schönsten Frau auf der Welt verheiratet. Ihre Tochter lebt bei uns und wir sind glücklich zusammen, auch wenn die landläufige Meinung ist, dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen emotional misshandelt werden. Ja, ich habe einen großen Hang zur Weltverbesserung und mache mir sehr viele Gedanken über Konsum, Umgang mit Mitgeschöpfen, Toleranz, Gleichberechtigung. Ja, ich mache mir manchmal zuviele Gedanken um die Welt und zu wenig um mein eigenes kleines Leben. Und ja, ich weiß, dass das viele nicht verstehen können.
Ich habe bisher unter meinem Namen gebloggt, weil ich zu den Dingen stehe, die ich tue und denke. Nur leider musste ich jetzt damit konfrontiert werden, dass andere Menschen einem das sehr schwer machen können...kurze Erklärung:
Durch den Einsatz bei der Schlachthofgeschichte ist mein Blog bei der Eingabe von "Schlachthof Ahlhorn" bei Google, relativ weit nach oben gerutscht. Dadurch sind Bekannte aus den umliegenden Ortschaften auf meinen Blog gestoßen. Wie gesagt, ich stehe zu meinem Leben, ich blogge über private Angelegenheiten und es interessiert mich einen feuchten Dreck, was andere über mich denken. Aber ich bitte um Verständnis, dass ich eine Familie habe und ich möchte nicht, dass diese durch "Dorftratsch" angegriffen werden. Daher habe ich beschlossen, künftig nicht mehr unter meinem richtigen Namen zu bloggen.
Man, Dorfleben ist manchmal echt anstrengend!!!

Montag, 27. Mai 2013

Käsekuchentest und schwerer Gewissenskonflikt

Vorweg eine kurze Info: Dies ist die Beschreibung eines Ereingisses, wie ich es wahrgenommen habe. Sollten sich einzelne oder mehrere Personen hierdurch angegriffen fühlen, lest bitte hier weiter

Ich bekam am Samstag Kaffeebesuch und habe die Gelegenheit genutzt, die Käsekuchen-Backmischung von Bauck Hof zu testen.

Ich liebe Backen und normalerweise verzichte ich auf Backmischungen (man weiß ja nie genau, was da drin ist).  Allerdings habe ich ees bisher noch nicht geschafft, eine schmackhafte Alternative zu Käsekuchen zu machen. Ich habe bestimmt schon 4 verschiedene Rezepte ausgetestet, die allesamt lecker waren, jedoch im Endeffekt nichts mit Käsekuchen zu tun hatten. In eeinem Forum las ich dann von dieser Backmischung und habe sie jetzt endlich testen können.
Auf der Rückseite der Packung stehen die Zutaten, die noch zugefügt werden müssen und erfreulicherweise steht da auch eine Anleitung zur Veganisierung des Kuchens - einfach 750g Sojajoghurt und den Saft einer halben Zitrone zu der Füllungmischung dazugeben, für den Boden 175g geschmolzene Margarine. Den Boden in ne Backform drücken, Füllung reingießen und das ganze bei 200Grad 50-60 Minuten backen, anschließend gut auskühlen lassen.
Die Herstellung ist total simpel. Als ich den Kuchen aus dem Ofen holte, war die Füllung noch recht flüssig, aber durch das Auskühlen (zum Schluß hab ich den Kuchen noch in den Kühlschrank gestellt) wurde die dann fest.
Mein Kaffeebesuch (Allesesser) und ich waren überzeugt, der Kuchen schmeckte sehr lecker und ist bisher der einzige Versuch, der annähernd an einen Käsekuchen herankommt.
Also abschließenes Statement - empfehlenswert

Gestern bin ich anlässlich des Geburtstages meines Vaters in meine alte Heimat gefahren. Er hatte zum Frühshoppen mit Grillen eingeladen. Vorausschauend hatte ich für mich und meine Mädels Grillkrams von Wheaty besorgt - diesmal den Grillmix und nochmal die Grillschnecke (die einfach der Hammer ist). Zudem habe ich noch einen Salat gemacht, schließlich kenne ich ja die Grillgewohnheiten meiner Familie - viel Fleisch und Brot, wenig Salat (in erster Linie Kartoffelsalat mit Fleischwurst und Rohkost). Hab die Gelegenheit genutzt, eines der vielen geplanten Hochzeitsfeierrezepte auszuprobieren

Bohnensalat
500g Bohnen in Salzwasser gegart und abgekühlt

1 Dose Kidneybohnen

1 Dose weiße Bohnen

1 Bund Lauchzwiebeln



2 Knoblauchzehen

4 El Weinessig

etwas Bohnenwasser

2 El Senf

 Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker

 1 Bund Petersilie

 6 El Öl


Lauchzwiebeln zerkleinern und zusammen mit den abgetropften Bohnen vermischen. 
Knoblauchzehen zerkleinern. Restliche Zutaten hinzugeben und  über die Bohnen geben, ca. 1 Stunde ziehen lassen.


Leider habe ich von nix Fotos - vergessen.
Der Salat war super lecker und ich bekam auch viel Lob von den anwesenden Gästen. Anscheinend erregte der Salat bei manchen großes Interesse, weil ich häufiger den Begriff "veganen Salat" hörte. Ich habe ganz anständig einen Lachanfall unterdrückt - "veganer Salat", das ist doch nun wirklich keine Seltenheit...vielleicht bin ich aber auch einfach diesem "zu jedem guten Salat gehört Fleischwurst, Majonäse oder zumindest Schafskäse" entwachsen und kann mich daher nicht mit diesem Begriff "veganer Salat" nix anfangen.
Der Grillmix von Wheaty ist auch supi, da sind drei kleine Würstchen, eine (ich schätze mal) Paprikawurst und eine Pfeffergrillstück drin, allesamt sehr lecker. 
Natürlich blieb diesbezüglich auch eine kleine Disskusion nicht aus - Warum machen Vegetarier ihr Essen in Fleischform??? Liebe Fleischesser, ich bin ein geduldiger Mensch. Aber manche Fragen nerven (das habe ich dort nicht gesagt, das ist hier nur mal ein grundlegendes Statement). Mal erhlich, warum machen Fleischesser das Fleisch denn in Schnitzel-, Wurst-, Stäbchenform???? Ich sehe nicht das Problem, Gemüse o.Ä. wie Fleisch zu verarbeiten. Sogenannte Fleischersatzprodukte stehen nicht auf meinem täglichen Speiseplan, aber bei Anlässen wie Grillen finde ich es schön, auf sowas zurückgreifen zu können. Außerdem ist es doch egal, wie es aussieht, hauptsache es schmeckt und kein Tier musste dafür leiden (und wehe, es kommt mir jetzt jemand mit Käfern, die auf den Pflanzen leben)
Die Feier war schön, viele alte Bekannte getroffen, viele aus der Familie usw. Und dennoch stürzte mich dieser Tag in einen Gewissenskonflikt:
Ich hatte schonmal irgendwann erwähnt, dass mein Vater Landwirt ist und einen mittelgroßen Milchviehbetrieb bewirschaftet (ca 200 Kühe). Ich bin mit Kühen groß geworden, habe schon früh gelernt, wie eine Geburt abläuft (falls ihr mal die Möglichkeit habt sowas zu sehen, das ist total interessant), habe die Kühe zum Melken eingetrieben, nach einem Ausbruch wieder mit eingefangen und kann mit Sicherheit behaupten, dass es wunderschöne, sensible Wesen sind. 

Den Hof meines Vaters würde ich mit meinem Hintergrundwissen als relativ vorbildlich bezeichnen. Die Kühe haben auch einen Namen, nicht nur ne Kennzeichnung. Sie können tagsüber auf die Weide und werden nur zum Melken eingetrieben. Die Ställe sind sauber, es treten sehr wenig Mastitisfälle auf, dementsprechend ist der Einsatz von Antibiotika gering. Im Gegensatz zu den Hochleistungsbetrieben, in denen die Kühe nach 4 Jahren "verbraucht" sind und geschlachtet werden, bleiben die Kühe bei meinem Vater ca. 88 Jahre "im Einsatz". Auch als Veganer sollte man Realist bleiben: Milch wird weiterproduziert und das funktioniert nunmal nur, indem Kühe regelmäßig befruchtet werden und die Kälber nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden. Wenn die Milchleistung einer Kuh aufgrund ihres Alters nachlässt, ist sie nicht mehr "wirtschaftlich", das heißt die Kosten, welche die Kuh verursacht, übersteigen die Einnahmen, die man mit ihr macht. Daher ist es in der Milchwirtschaft unrealistisch, Kühe bis zu ihrem Lebensende zu behalten.
So, soweit meine pragmatische Einstellung!!! Ich weiß das alles, ich bin damit groß geworden, ich akzeptiere das und lebe damit.
Unsere Tochter wollte gestern dann die Kühe anschauen, Kälbchen streicheln usw. Also bin ich mit ihr in den Stall und fühlte mich sofort an meine eigene Kindheit erinnert.Aber auf einmal änderte sich das Gefühl: Ich sah nicht meine heißgeliebten Kühe und die süßen Kälbchen, ich sah Lebewesen, die zu Produktionswesen degradiert worden sind. Die Kühe in dem einen Teil des Stalls, die Kälbchen abgetrennt voneinander (Hygiene) in einem anderen Teil. Die Kühe gingen fleißig ihrer Funktion nach (Fressen, Milch geben) und die Kälbchen lagen in ihren Boxen




Vielleicht ändert sich das Empfinden, wenn man sich längere Zeit mit dem Thema Tierschutz/Tierrecht auseinandersetzt. Ich habe den Hof meines Vaters immer in Schutz genommen, aber gestern wurde mir schmerzhaft bewusst, dass ich das nicht mehr kann. Auch wenn die Tierhaltung so gut es geht auf Betrieben gehandhabt wird, es ist nie gut genug. Es steht immer Tierleid dahinter!!! Mein Vater macht es toll und trotzdem ändert es nichts an der Tatsache, dass die Kühe jedes bzw. alles zwei Jahre Kälber zur Welt bringen, diese sofort entfernt werden und in Boxen gesperrt werden. Die Kälber erfahren wenig Zuwendung, sie werden von Beginn ihres Lebens in diesen Produktionsablauf integriert. Die Tiere sind Produktionseinheiten...es tut mir leid, aber das ist abartig!
Ich hörte gestern dazu das schöne Argument "Aber wenn man die Kälber sofort von den Kühen trennt, lernen sie die Zuwendung auch garnicht erst kenne. Das macht den Trennungsschmerz doch wesentlich angenehmer" - Ich verstehe nicht, wie Menschen so unterschiedlich sein können; die einen erkennen Leid und Schmerz, nehmen Anteil an ihren Mitgeschöpfen und selbst wenn sie nicht vegan oder vegetarisch leben, zeigen sie Interesse und Anteilnahme. Und dann gibt es Menschen, für die es das normalste auf der Welt ist, Tiere auszubeuten, die nicht hinsehen, sich nicht interessieren und auch noch diejenigen Personen belächeln, die sich bemühen unsere Welt ein kleines bisschen besser zu machen...ich verstehe das einfach nicht.
Und jetzt stehe ich mit meinem Gewissenskonflikt da, ich stelle mich gedanklich gegen meine Eltern bzw. gegen die Tätigkeit, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Ich kann und will das nicht gutheißen. 

Mal eben passend dazu nochmal das Thema "Schlachtfabrik in Ahlhorn". Ich versuche mehr oder minder erfolgreich Unterschriften in unserem Dorf dagegen zu sammeln - da hier ebenfalls sehr viele Menschen von der Landwirtschaft leben und nicht zuletzt befreundet mit einem oder mehrerer Pro-Schlachtfabrik-Gemeinderatsmitglieder sind, verläuft das Unterfangen schleppend. Um so mehr bitte ich darum, auf die Online-Petition aufmerksam zu werden und zu machen.
Letztlich häufen sich auch hier die Disskusionen, manche sachlich, manche emotional, manche einfach nur lächerlich.
Liebe Leute, auch wenn euer Herz nicht an Tieren hängt, bitte vergesst nicht, dass solche "Massenunternehmungen" immer auch auf Kosten euer Mitmenschen, eurer Umwelt, eurer Gesundheit usw. geht! Was für eine Welt wollt ihr euren Kindern hinterlassen??? Macht euch darüber Gedanken und nicht darüber, was euch schmeckt, was euer Nachbar davon hält oder was gesellschaftlich akzeptiert ist!!!

So, das musste mal raus!!!




PS: Hab ein kleines Tastaturproblem: Ich krieg immer ein Doppel-E, also nicht wundern, wenn das irgendwo auftaucht, hab ich dann bei der Korrektur übersehen :)

Samstag, 25. Mai 2013

Petition

Ich hoffe das funktioniert - hab ich noch nie gemacht.
Aufgrund einiger Anfragen habe ich eine Online-Petition gegen den geplanten Bau der Hähnchenschlachfabrik in meiner Heimatgemeinde aufgestellt. Bitte informiert, unterschreibt und unterstützt unsere kleine Gemeinde.
Die Petition findet ihr hier
Danke für eure Unterstützung


Donnerstag, 23. Mai 2013

Spargeltime

Meine persönlich unliebsamste Saisonzeit hat begonnen - Spargelzeit. Ich kann diesem Stangengemüse nix abgewinnen. Geschmacklich okay, Pipi stinkt nach Verzehr, Preis total übertrieben...ich muss das nicht haben. Leider gehört Spargel jedoch zu besonderen Anlässen dazu; "Ich mache heeute extra Spargel, wenn du kommst" - Oh, da freu ich mich aber.
Zuhause löst die Spargelzeit zwischen mir und meiner Frau auch rege Disskusionen aus - sie liebt Spargel, ich nicht. Ich koche, sie nicht (selten). Sie entscheidet, ich nicht (wie es zu einer guten Ehe dazu gehört). Also habe ich mich jetzt auch in die Spargelzubereitung geworfen.
Weißen Spargel finde ich langweilig, also habe ich grünen gekauft und die Erkenntnis erhalten, dass Spargel nicht gleich Spargel ist (Erklärung folgt). Am gleichen Tag kamen meine Schwiegereltern und schenkten uns ein Kilo weißen Spargel ("Oh nein, noch mehr Spargel"). Also gab es die letzten beiden Tage Spargel (ich mache daraus ein Alltagsessen :)  )
Gestern gab es Spargel klassisch, da ich seit Ewigkeiten schon die Soße Hollandaise von BioVegan ausprobieren wollte.
Spargel und Kartoffeln im Thermomix zubereiten, Räuchertofu dazu gebraten, Soße zubereitet - Fertig!!!
Der Spargel war super von der Qualität, weich aber ließ sich auch gut schneiden. Kartoffeln und Tofu passten gut dazu. Soße...ich bin da etwas zwiegespalten. Meiner Frau und unserer Tochter schmeckte sie super, ich war ein bisschen enttäuscht...sieht aus wie Hollandaise, schmeckt aber nicht mal annähernd so. Zu meinen Vegetarierzeiten habe ich Soße Hollandaise geliebt und bin da wahrscheinlich mit zu hohen Erwartungen rangegangen. Also Fazit: als eigenständige Soße ist sie lecker, aber man sollte keine Hollandaise erwarten
Heute habe ich dann den grünen SPargel verarbeitet zu einer Lasagne.

Spargellasagne
1 Kilo grünen Spargel (weißer geht bestimmt auch)
1 Pk. Lasagneplatten
2 El Margarine
3 El Mehl
4 El Hefeflocken
1 Tl Senf
1 Tl Salz
Pfeffer + Muskat + Brühe
750ml Sojamilch (oder andere)
1/2 Bund Frühlingszwiebeln
Petersilie

Spargel erstmal kochen (grüner muss nicht geschält werden), bis er weich, aber noch ein bisschen bissfest ist. Margarine im TM 1Min/100Grad/Stufe 1 schmelzen. Mehl hinzugeben und 1Min/100Grad/Stufe 2 anschwitzen. Sojamilch und Gewürze hinzugeben und 4Min/100Grad/Stufe 2 aufkochen. Frühlingszwiebeln und Petersilie kleinschneiden und unter die Soße heben. 
Eine Schicht Spargel in eine Auflaufform geben, Soße drüber, Lasagneplatten, wieder Spargel,Soße, Platten usw. Mit Soße abschließen und wer will noch bisschen Spargel darauf verteilen




Also von dem Rezept bin ich überzeugt, sehr lecker. Kleines Manko hatte das ganze jedoch - den Spargel. Ich hasse es, das Gefühl zu haben, auf Holz rumzubeißen...vielleicht sollte ich besser keinen Spargel im Angebot mehr kaufen...ich habe mich informiert, guten Spargel erkennt man an den Enden (sollten frisch geschnitten aussehen) und das sie quietschen, wenn man die Stangen aneinander reibt.
Nichts desto Trotz werde ich jetzt wieder Spargelpause einlegen. Das wird nie mein Lieblingsgemüse. Ich hoffe, meine Frau ist jetzt auch erstmal gesättigt :)


Samstag, 18. Mai 2013

Homo-Jubiläum

Meine Onkels haben gestern ihr 25. Jubiläum (Jahrestag) gefeiert. Anlässlich dieses Ereignisses waren meine Frau und ich in Hannover in der Nähe der Herrenhäuser Gärten.
 Kurze Infos zu meinen Onkels:Vollbild anzeigen Diese beiden wundervollen Männer sind der Grund, weswegen ich (fast) nie wegen meiner Homosexualität versteckt habe. So lange, wie ich denken kann, lebt mein Onkel mit einem Mann zusammen. Die beiden haben ihre Beziehung bereits zu Zeiten, als Homophobie noch zum guten Umgangston gehörte, offen gelebt. Über die Jahre waren sie politisch aktiv, was die Anerkennung und Gleichberechtigung von Homosexuellen angeht und als die Eingetragene Lebenspartnerschaft in Deutschland 2001 eingeführt wurde, gehörten sie zu den ersten Paaren, die "Ja" sagten. Das macht mich als Nichte unheimlich stolz auf die Beiden, insbesondere, da ich seit Jahren am eigenen Leib erfahre, wie schwer es teilweise ist, zu seiner Gesinnung zu stehen - dabei lebe ich in Zeiten, in denen sich sehr viel in Bezug auf Toleranz gegenüber Homosexuellen getan hat. 
Kurze aber nicht unbedeutende Info am Rande: Gestern war auch der "internationale Tag gegen Homophobie" und gestern vor zwei Wochen haben wir geheiratet.
So, zurück zu der Feier. Meine Onkels haben einen relativ großen Bekanntenkreis mit homosexuellen Paaren, die gestern zahlreich erschienen waren. Und gerade das machte diese Feier für mich und meine Frau zu etwas ganz besonderem. Wir haben auch einen großen Freundeskreis, jedoch befinden sich keine Gleichgesinnten darunter. Es ist nicht so, dass wir dadurch etwas vermissen würden; es fehlen nur manchmal Menschen, die das gleich Los teilen, ähnliche Erfahrungen, Ängste, Sorgen. Gestern gehörten wir zu einer Gemeinschaft - wildfremde Menschen gratulierten uns und freuten sich mit uns über unsere "Lebenspartnerschaft". Ein Frauenpärchen durften wir kennenlernen, die bereits 34 Jahre zusammen leben, wahnsinn!!! (wenn ich das irgendwann mal sagen kann *freu*) Ich habe bisher wohl unterschätzt, was es einem für ein gutes Gefühl gibt, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Wahrscheinlich erlebe ich einfach  zu oft kleinern und größere Ausgrenzungen aufgrund meiner "Unangepasstheiten" (in erster Linie vegan + homosexuell), insbesonders da ich in einer Umgebung lebe, in der es nichts wichtigeres als Angepasstheit gibt.
Na ja, auf jeden Fall wurde ordentlich gefeiert, getanzt (ABBA - und ich weiß, dass ich damit ein fürchterliches Klischee erfülle, aber ich liebe ABBA), getrunken und gegessen. Auch hier kam ich voll auf meine Kosten, meine Onkels sind Klasse, selten auf einer Familienfeier so gut versorgt worden
grüner Salat, Tomatensalat, Bohnensalat, Krautsalat, Gemüsespieß, Maiskolben, Kartoffelspalten + Brot - alles superlecker

Um 2:30 Uhr sind wir dann glücklich, total übermüdet und mit schmerzenden Beinen (stundenlanges Tanzen in hochhackigen Schuhe ist nicht empfehlenswert) Richtung Hotel los.
Heute haben wir den Tag in Hannover noch etwas ausklingen lassen: Shopping :) und wir waren endlich mal im Hiller - Deutschlands ältestes vegetarisches Restaurant, seit 2012 komplett auf die Zubereitung veganer Speisen umgestellt. Eine echte Empfehlung,, hab selten so gut in einem Restaurant gegessen, Ambiente und Bedienung waren ebenfalls toll und Preise waren total im Rahmen (komplettes Menü für 12 Euro, Getränk extra)
Vorspeise: Tomatensuppe
Das Gericht meiner Frau: Spargelragout mit Bandnudeln und Seitanrösti
 
Mein Gericht: Bohnen-Champignongemüse mit Bandnudeln und Sojabratling


Nachtisch: Rhabarbacreme

Heute fand ebenfalls der CSD (Christopher Street Day) in Hannover statt, wobei ich gestehen muss, dass wir da nicht mehr hin sind...scheiß Wetter, totale Übermüdung, weiter Heimweg und noch eine abendliche Einladung zum Grillen haben uns abgehalten *schäm* Aber bald findet der auch in Oldenburg statt...
Grillen war super lecker (mein Kumpel hat sich ganz viel Mühe mit veganen Angeboten gegeben, trotz totaler Überforderung; er ist ein Schatz) und jetzt sitze ich endlich auf dem Sofa und verfolge gespannt den Eurovision Song Contest (noch ein Klischee, aber die gibt es ja nicht ohne Grund :)  ) Also so stelle ich mir ein perfektes Wochenende vor ;)

Donnerstag, 16. Mai 2013

So viel zu tun und so wenig Zeit

Manchmal sind die Tage einfach zu kurz, besonders wenn man tausende von Sachen zu erledigen hat bzw. erledigen will...
Meine Arbeitsliste wächst und wächst und ich habe das Gefühl, nicht mehr hinterher zu kommen.
1. Der Blog
Ich schreibe gerne und viel :) Fällt mir ein Thema ein oder möchte ich etwas in den Weiten des Internets teilen, sitze ich am PC und schreibe. Das ist ein Hobby geworden und gleichzeitig ein Stück weit Kopfentlastung, ich kann Ereignisse Revue passieren lassen, Tage strukturieren, mir in Ruhe Gedanken über diversteste Angelegenheiten machen. Besonders schön ist dabei der Umstand, dass man Kommentare oder Mails bekommt und feststellt "Hey, ich steh mit manchen Gedanken/ Problemen garnicht alleine da" Aber der negative Aspekt daran ist, dass das Bloggen ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Und die fehlt momentan an allen Ecken und Kanten, also entschuldige ich mich hiermit schonmal bei den paar treuen Lesern, die ich innerhalb kürzester Zeit gewonnen habe, dass ich momentan hier nicht so viel veröffentliche - es wird bald besser versprochen.
2. Die Arbeit
Magen-Darm-Welle. Wahrscheinlich die schlimmste Saison in Pflegeberufen. Nicht nur, dass das ungemeinen Stress auf der Arbeit bedeutet (ich gehe hier mal nicht ins Detail), es trifft auch meist nach und nach die Mitarbeiter. Ich hatte zum Glück nur einen Nachmittag damit zu kämpfen, aber dafür habe ich schön Krankheitsvertretung geleistet. Ich habe jetzt zum Glück drei Tage Urlaub und muss jetzt erstmal zuhause Sachen aufarbeiten, die in letzter Zeit liegen geblieben sind. Und morgen gehts nach Hannover zu meinem Onkel; dort wird 25jähriges Zusammensein von ihm und seinem Mann gefeiert - dat wird ein Spaß :)
3. Namensänderung
Das ist ja so ätzend!!! Zigtausend Behörden, Versicherungen etc. wo man sich melden muss, Heiraturkunde verschicken muss...nicht zu vergessen Mailadresse, Postkasten, Bank, Arbeitgeber....Vielleicht sollte ich mich als eine Art professioneller Namensänderer selbstständig machen, das ist definitiv ne Marktlücke.
4. Hochzeitseinladungen
Im August wollen wir feiern. Daher sitze ich mittlerweile in einem Berg von Briefumschlägen und versuche die logistische Meisterleistung zu vollbringen, für 150 Personen eine Mitbringparty zu organisieren. Der Plan ist folgender: Jeder bekommt ein Rezept zu seiner Einladung, welches er zur Feier zubereiten und mitbringen soll - natürlich vegan :) Dabei muss nur gut geplant sein, wieviel beenötigen wir wovon (sind ja enorm viele Leute), was fehlt, wenn jemand absagt....Dazu kommt noch die übrige Planung der Feier, sauviel Arbeit...aber es wird bestimmt grandios. Die ersten Reaktionen auf die Einladungen kamen prompt: "Wie???? Kein Fleisch???? Dann muss ich aber genug vorher essen." - tja, ich hoffe manche lassen sich positiv von dem Vorhaben überraschen.
5. Garten
Das Wetter schreit nach Gartenarbeit, eigentlich eine total tolle Arbeit, aber bei der Tatsache, dass momentan soviel los ist und wir immerhin einen knapp 2000 Quadratmeter Garten haben, ist das ganze doch irgendwie etwas übermenschlich. Der Rasen wächst wie bescheuert, ich hab noch nicht alles Laub aus den Beeten, Kraut spriest auch schon - HHHHIIIIIIIILLLLLLLFFFFFFEEEEEEE
6. Tiere
Unsere Tiere sind echt etwas doof, Theo und Lisa (die beiden Katzen,die draußen leben) sind momentan fleißig dabei, kleine Mäuse und Vögel halb zerlegt auf unsere Terrasse zu bringen. Ich weiß, dass so so ne Art Geschenk sein, aber da könnte ich ehrlich getrost drauf verzichten. Bosse (mein Hund) und Sam (unsere Drinnenkatze) haben sich dazu momentan in den Kopf gesetzt, die Wohnung zu verunstalten. Es fing damit an, dass Bosse das Katzenklo anpinkelte (keine Ahnung, was ihm da in den Kopf gekommen ist). Sam rächte sich und pullerte erstmal auf Bosse´s Matte. Und seitdem liefern die sich ein ewiges Hin und Her. Die waren eigentlich beide stubenrein, brauchen wir nen Tierpsychologen???
7. Schlachthof
Wie vielleicht einige in dem Beitrag Osterfeuer und der Tag danach gelesen haben, wurde bei uns in der Gemeinde ein neuer Bürgermeister gewählt. Wichtiges Wahlkampfthema war unter anderem der geplante Neubau einer großen Schlachtanlage für Geflügel. Leider hat der falsche Kandidat gewonnen...und das ruft viele erboste Anwohner (mich eingeschlossen) auf den Plan. Es laufen Proteste und Unterschriftenaktionen.
Gründe, warum wir gegen den Schlachthof in Ahlhorn sind (hier in der Gegend kann ich leider nicht 100% mit veganen Argumenten überzeugen)

Der geplante Schlachhof benötigt mindestens 370.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr -
Das sind 370 Millionen Liter, die uns und unserer Natur entzogen werden! 
Für die Auslastung des geplanten Schlachthofes mit mindestens 200.000 Schlachtungen täglich werden bei 300 Werktagen mindestens 60.000.000 (sechzigmillionen!) Tiere pro Jahr geschlachtet! 
Da am alten Standort der Schlachterei momentan nur 30.000 Tiere pro Tag geschlachtet werden, müssten zusätzliche Ställe für 170.000 Tiere pro Tag gebaut werden. Dies entspricht einem Bedarf von ca. 170 Mastställen a 40.000 Tieren, die in unserer Umgebung errichtet werden müssten.
Weiterer Bedarf ist bereits durch die Erweiterungen bzw. Neubauten der Schlachtfabriken der Firmen Rothkötter in Wietze bei Celle und der Firma Wiesenhof in Wietzen bei Nienburg entstanden, die ihrerseits noch gar nicht ausgelastet sind!
Mit 170 neuen Mastställen fallen auch jährlich ca. 54.400 Tonnen zusätzlicher Festmist an, der angesichts
steigender Nitratwerte in unserem Grund- und Trinkwasser für unsere Region nicht mehr zu verkraften ist! 
Einige Millionen Tiere mehr werden Qualhaltungen gehalten. Zusätzlich müssen unsere Mitgeschöpfe auf Tiertransporten und bei grausamen Schlachtvorgängen in den Schlachthöfen leiden.
Bei 220.000 Schlachtungen pro Tag müssen täglich 22 LKW mit „schlachtreifen“ Hähnchen
den Schlachthof anfahren. Einschließlich weiterer Transporte, wie Abfuhr der Fertigware,
Schlachtsabfälle, Betriebsmittel etc. ist mit einem täglichen Aufkommen von ca. 50 LKW zu rechnen. Diese werden auch einige unserer Ortschaften durchfahren müssen und in Ahlhorn
sehr wahrscheinlich mit Ausnahmegenehmigungen mitten durch den Ort fahren. 
Im Umfeld dieser LKW wurden bei Untersuchungen unter anderem multiresistente Keime (MRSA) festgestellt! Diese bedeuten eine ganz konkrete Gesundheitsgefahr für die Menschen, die sich auf der Straße oder in deren Nähe aufhalten.
Bei der Ansiedlung eines weiteren Schlachthofes muss mit überwiegend schlecht bezahlten Arbeitsplätzen in der Verarbeitung gerechnet werden. Damit werden sich die bereits vorhandenen sozialen Konflikte in Ahlhorn weiter verschärfen und die Integrationsbemühungen in unserer Gemeinde werden weiter erschwert! 
Diese Gründe setzt das "Bündnis MUT" an, die auch treibend bei den Aktionen gegen die Schlachtanlage ist.  Hier also nebenbei ein Aufruf, geht auf die Seite, druckt die Unterschriftenliste aus und sammelt. Natürlich ist in erster Linie die Stimme der Anwohner von Bedeutung, aber ich denke, je mehr Unterstützer, desto besser. Helft unserer Gemeinde, lasst nicht die Politik mit ihren Wirtschaftsinteressen gewinnen auf Kosten der Menschen und Tiere. 
Mal als Anmerkung: der oben genannte Schlachthof in Wietzen befindet sich in der Nachbarschaft meiner Großmutter. Vor dem Bau kam es auch zu zahlreichen Protesten gegen diese Anlage, leider ohne Erfolg. Klar, Fleischkonsum lässt sich nicht aufhalten, aufgrund der riesen Nachfrage wahrscheinlich nicht mal die Massentierhaltung...aber ganz ehrlich, zahlreiche LKW´s voll mit Hühnern, die zu einer riesen Schlachtanlage fahren, die sich an einem Waldrandgebiet in einem winzigen Dorf befindet...das ist abartig. Dieses Bild findet sich jetzt im 400-Seelen-Dorf meiner Großmutter. Und das alles nur dafür, dass neue Sonderangebote für Hähnchenfleisch auf den Markt kommen??? Selbst wenn ich nicht gerade vegan leben würde, würde mir das zu denken geben. 
Ich bitte darum, denkt nicht nur, handelt auch!!!


Dieses riesen Arbeitskonstrukt, was mir momentan im Kopf rumschwirrt, überfordert mich dann doch wetwas...wie kann ich das alles noch schaffen? Ich sollte dringend aufhören, mich mit so unwichtigen Dingen, wie Essen und Schlafen auseinander zu setzten...oder mir nicht mehr ganz so viel auf einmal vornehmen.

Sonntag, 12. Mai 2013

Mittelaltermarkt mit neuem Bewusstsein

Gestern war ich auf dem mittelalterlichen Spectaculum in Rastede, dem größten Mittelaltermarkt in der Gegend. Ich liebe Mittelaltermärkte, ich liebe die Stimmung, die Verkleidungen, die Atmosphäre, das Essen&Trinken, die Musik, einfach alles. Ich war schon bestimmt zwei Jahre nicht mehr dort, da ich meist an den Wochenenden, an denen das stattfindet, arbeiten musste. Gestern hatte ich zum Glück frei, dass Wetter war  einigermaßen gut, also auf nach Rastede.
Und da habe ich folgende Erfahrung gemacht:
Als überzeugte Veganerin, die unter extremen Kopfkinoauswüchsen leidet, ist ein Mittelaltermarkt nicht schön - eher grausam.
Die Musik ist immer noch toll, ebenso die Stimmung und die Verkleidungen. Man kann durch die Gegend wandern und befindet sich in einer anderen Welt


Feuerspuckender Drache

Verkaufsstand

Seile knüpfen


Musikbühne
 Wie bereits gesagt, ich liebe es.  Nirgendwo sonst begegen einem Rattenfänger, Gaukler, Bader, Ritter, Prinzessinnen, Könige, Bettler; es ist einfach phantastisch.
Ich ging gestern durch diese "andere Welt" und mein Blick streifte über Verkaufsstände, Fressbuden, Personen in Gewandung und musste feststellen, dass sich mein Blick in den letzten Monaten stark verändert hat. Der Klassiker unter den Verkleidungen, war der des Barbaren (leider kein Foto). Sie sehen beeindruckend aus, groß, stark, mit Axt oder Hammer in der Hand - und mit original Fellumhang, Lederkleidung und Trinkhorn (aus echtem Horn natürlich). Und da wurde mir doch etwas schlecht. An den Ständen wurde heiß disskutiert, ob die ware aus echtem Leder, echtem Horn, echtem Fell etc. bestünde. An den Fressbuden wurde geottenes Fleisch, geräucherter und gebratener Fisch etc. feilgeboten. Die Stimmen der Marktschreier hallten über das Gelände und priesen Spanferkelbraten über offenem Feuer gebraten. Zusammen mit der Tatsache, dass ich mir zum ersten Mal keinen Met (Honigwein) gekauft habe, schwand meine Stimmung merklich.
Auch das angekündigte Rittertunier konnte mich nicht aufheitern: Ritter zu Pferd ritten gegeneinander mit Lanzen, schlugen sich, ritten durchs Feuer...die Pferde scheuten, wurden angetrieben unter den Zurufen von 300 Zuschauern...ich bezweifel, dass es den Tieren dabei gut ging.
Mal ehrlich, muss sowas heute noch sein? Klar, es geht um die Stimmung und das Entwerfen eines möglichst realitätsnahem Szenario. Aber es gibt doch auch einfach heutzutage andere Wege und Mittel, eine mittelalterliche Welt zu schaffen. Felle und Hörner können künstlich hergestellt werden, Rittertuniere funktionieren auch ohne Pferde. Von dem weitaus übermässigem Fleischangebot will ich garnicht erst reden, das ist nicht mal mehr Realität - als ob die Menschen im Mittelalter größtenteils Fleisch gegessen hätten.
Meine Frau wurde böse mit mir, meinte, ich würde das alles kaputt reden, sollte das doch mal ignorieren und aufhören, so streng moralisch zu sein...ich entgegnete, dass es aber doch trotzdem um wichtige Sachen ginge und ich das nicht éinfach wegignorieren könne, dass es mich anwiedere, die ganzen "Leichenteile" zu sehen...unser erster Ehestreit, wie wir im Nachhinein feststellten, erste Hürde im Eheleben geschafft. Aber mal eine Frage, hat sie Recht? Ich habe meine Prinzipien, auch wennsie für andere manchmal schwer nachvollziehbar sind. Muss ic das ausschalten, nur weil wir auf einer Festivität sind und ich die Stimmung damit ruinieren könnte?
Total geknickt und nach ein paar Stunden total ausgehungert, machte ich mich auf den Weg, was Essbares zu suchen und wurde doch tatsächlich fündig. Stockbrot und Falafel auf Nachfrage komplett vegan, das hob die Stimmung :)
Stockbrot
Falafel
Und ich wurde weiter fündig. Am Stockbrotstand war vor mir eine Frau, die vorsichtig fragte, ob das Brot vegan sei und erzählte, dass sie das noch nicht so lange wäre und das noch üben müsse, mit dem Nachfragen. Die griff ich mir gleich zu einem Gespräch, erklärte ihr meine Problematik und fragte sie, wie sie damit umgehe. Ihr erging das ähnlich wie mir aber sie hatte die vermutlich bessere Lösung als ich. Sie genoß den Markt dennoch, hielt sich überwiegend bei den Musikbühnen auf, ignorierte "Leichenverkleidungen" und erfreute sich eher an der Kreativität, die manche Leute mit ihrer Gewandung an den Tag legten.
Das fand ich sehr beeindruckend und bemühte mich, ihr dass gleich zu tun, also auf zur Musik :) und es ging einigermaßen. Ich konnte den Tag über doch noch Spaß haben und freute mich über die Erkenntnis, dass ich doch noch meine heißgeliebten Mittelaltermärkte genießen kann.
Ich finde, es ist manchmal eine große Herausforderung vegan zu leben. In seinen Gewohnheiten stößt man doch schnell an seine Grenzen, man entwickelt ein völlig neues Bewusstsein für manche Geschehnisse um einen herum, was total gut ist, aber halt manchmal auch nicht leicht. Die Kunst ist es vermutlich, dabei nicht die Freude zu verlieren und an unserer manchmal abartigen Art und Weise zu verzweifeln. Ich übe das noch :)
Anmerkung am Rande: SALTATIO MORTIS ROCKT!!!


Mittwoch, 8. Mai 2013

Gartentage

Bei diesem ganzen Hochzeitsbrumborium habe ich meinen heißgeliebten Garten vernachlässigt. Damit ist jetzt Schluß. Ich fühl mich zwar noch nicht richtig regeneriert von dem Hochzeitswochenende, aber das gute Wetter treibt mich doch nach draußen. Gestern war ich Gemüsepflanzen kaufen. Bin mal wieder völlig unstrukturiert los und habe spontan das gegriffen, was mir in den Sinn kam. Dieses Jahr wird mein Gemüsebeet gefüllt werden mit Bohnen, Kohlrabi, Zucchini, Mangold, Rotkohl und Schwarzwurzeln. Letzteres hab ich noch nie angepflanzt, ich lasse es auf einen Versuch ankommen. Zudem habe ich vom letzten Jahr noch allerhand Erdbeerpflanzen im Beet. Noch ein paar Tomatenpflanzen für die Hauswand und eine Gojibeerenpflanze (da bin ich mal gespannt, was das wird); ich bin pleite aber zufrieden.
Heute vormittag musste ich arbeiten und hatte wieder mit meiner unliebsamten Beschäftigung zu tun: Taschengeldabrechnung.  Das bedeutet in Kurzform Quittungen sortieren, aufkleben, numerieren, in´s Kassenbuch übertragen, in den PC übertragen und möglichst keine Fehler machen. Ich mache immer Fehler und nach drei Stunden habe ich das ganze völlig entnervt zur Seite gelegt. Zuhause angekommen habe ich erstmal Mittagessen gemacht.

Möhren-Pastinaken-Kladderadatsch
4 große Pastinaken
4 Möhren
1 Stück Ingwer
eine Zwiebel
optional ein paar Sojaflocken oder Schnetzel
Öl
Salz, Pfeffer, ein bisschen Muskat, ein bisschen Majoran
dazu Reis oder was man sonst so will

Reis kochen. Pastinaken und Möhren schälen und in dünne Stifte schneiden. Ingwer klitzeklein schneiden. Zwiebel auch noch schneiden (soviel Schneiderei). Sojaflocken mit Brühe aufgießen und kurz ziehen lassen. Öl zusammen mit der Zwiebel und dem Ingwer erhitzen und kurz dünsten.  Sojaflocken hinzugeben und mit anbraten. Gemüse dazu, würzen und ebenfalls kurz anbraten, anschließend Deckel drauf und garen lassen (ggf. etwas Flüssigkeit hinzutun). Reis abgießen und alles servieren
Frisch gestärkt verschwand ich dann in den Garten und mir wurde gleich wieder bewusst, warum ich so gerne draußen bin; Sonnenschein, blühende Obstbäume - I love it

Ich liebe es ja, in der Erde zu wühlen. Erstmal krauten, umgraben, gute Musik dabei hören und die Welt mit seinen ganzen Taschengeldabrechnungen vergessen. Damit konnte ich mich ganze vier Stunden beschäftigen (+ nebenbei Rasen mähen). Doch dann verließen mich eindeutig meine Kräfte. Gemüse ist gepflanzt nur das Laub liegt teilweise noch im Beet...nicht hübsch, aber das wird die nächsten Tage schon.


Erdbeerern

Kohlrabi

Zucchini (besser nur eine Pflanze)

Mangold zwischen Schnittlauch und Stockrosen

frisch gemähter Rasen
 Die übrigen Pflanzen kann man nicht sehen, sind halt Samen. Aber sie werden groß und lecker :)
Nachdem ich dann noch etwas im scheintoten Zustand (totale Erschöpfung) in der Sonne gesessen habe, musste ich los zum Völkerballtraining - ja, ich spiele diesen klassischen Grundschulsport mehr oder weniger professionell in einer Manschaft. Ich habe noch nicht so genau rausgefunden, ob es bei den wöchentlichen Training eher um den Ballsport oder ums Konsumieren von Alkohol geht; kurze Erklärung: wir spielen ungefähr mit 14 Frauen, Tradition ist, wenn jemand Geburtstag hat oder ein sonstiges herausragendes Ereignis, Sekt ausgegeben wird in rauen Mengen. Und bei 14 Frauen hat ständig jemand Geburtstag, wird Mutter/ Großmutter, geht in Rente, baut ein Haus, hat ein neues Auto, wechselt die Arbeit oder, wie in meinem heutigen Fall, hat geheiratet.
Und was war letztlich das Ende vom Lied? 5 Frauen waren da, Training wurde kurzerhand wegen Schlecht-Wetter abgesagt (es regnete exakt 4 Minuten) und drei Flaschen Sekt wurden geleert. Nach den Begrüßungsworten "Ich gebe heute einen aus, weil ich Freitag geheiratet habe" bekam ich freudige Umarmungen und anschließend herrschte peinliche Stille. Ich vermute mal, dass den Frauen erstmal bewusst werden musste, dass und wen ich geheiratet habe. Es ist schon faszinierend zu erleben, wie betroffen manche Menschen reagieren, wenn sie von homosexuellen Eheschließungen erfahren. Es ist einfach noch lange nicht "normal". Aber der liebe Herrgott hat ja nicht umsonst Sekt erfunden und so wurde es noch ein schöner Abend. Ich gehe jetzt erstmal mit nem duseligen Kopf ins Bett - in diesem Sinne, Prost!


Dienstag, 7. Mai 2013

Hochzeitswochenende

Vorweg eine kurze Info: Dies ist die Beschreibung eines Ereingisses, wie ich es wahrgenommen habe. Sollten sich einzelne oder mehrere Personen hierdurch angegriffen fühlen, lest bitte hier weiter

Nicht wundern, das wird ein langer Post :)
Ich wollte Donnerstag ja schon wieder was schreiben, aber da lagen meine Nerven blank, totale Aufregung. Erstmal schon vorweg, alles gut gegangen, ich hab "Ja" gesagt und meine Frau auch :)

Ich fang mal am besten gaaaaanz von vorne an

Donnerstag
Hochzeitsblödheit schlug mit aller Gewalt zu. Morgens hatte ich mir noch einen echt guten Plan zurecht gelegt: Kind für die Schule fertig machen, mit dem Hund spazieren gehen, Termin in Oldenburg, Kind von Schule abholen, Geld für morgen vom Sparbuch besorgen, mit Kind Klamotten besorgen, nach Hause fahren und Hundesachen packen, Hund zu meiner Mutter bringen, abends zurück. Vollgepackter aber guter Plan. Zuerst lief das auch ganz gut, bis zu dem Punkt, als ich nach Oldenburg fahren wollte. Ich ging zu der Garage und fand sie leer vor...Auto geklaut????? Nach dem ersten Schock kam die bittere Erkenntnis, mein Auto steht noch auf der Arbeit. Zwei Tage zuvor hatte mich meine Freundin von der Arbeit abgeholt und da ich seitdem das Auto nicht gebraucht hatte, hatte ich es einfach vergessen. Ich bekam Panik, mutterseelenallein mitten in der Pampa, kein Auto, Termin über Termin - Katastrophe!!!
Aber zum Glück konnte ich auf Nachbarschaftshilfe bauen; unsere Nachbarin war zum Glück zuhause und bereit, mich nach Oldenburg zu fahren. Blöd daran war nur, dass sie noch nichts von unserer Hochzeit wusste und ich nicht wusste, dass sie das nicht wusste. Ich habe dabei gelernt, dass man eine ganze Beziehungsgeschichte samt Outing in eine viertel Stunde Autofahrt legen kann - ich kann schnell reden ;)
Auto abgeholt und mal abgesehen davon, dass ich ca 10 Minuten zu spät zu meinem Termin kam, lief der Plan nach Plan. Am Nachmittag habe ich mir dann erstmal einen verdammt ecklich aussehenden aber sehr leckeren Smoothie von Frooters gegönnt, die Kombination merke ich mir auf jeden Fall
 
Spinat, Banane + Apfelsaft
Zuhause habe ich Bosse samt seinem ganzen "Kladderadatsch" eingeladen und bin zu meiner Mutter gefahren (1 1/2 Stunden Autofahrt). Meine Mutter erwies sich als mindestens genau so aufgeregt wie ich und machte mir ein sehr interessantes Geschenk: einen Echtgoldanhänger in Herzform an einer Kette...ich konnte mich nicht ehrlich freuen...dieser Anhänger hat Geschichte und ich gehe davon aus, dass meine Mutter nicht bewusst war, dass mir bewusst war, was das für ein Anhänger ist. Kurze Erklärung: Meine Eltern ließen sich scheiden, da war ich ungefähr 10 Jahre alt und der Film "Der Rosenkrieg" war ein Witz gegen deren Trennung, da floß viel böses Blut. Für mich damals unverständlich, ließ meine Mutter die Eheringe zu diesem Anhänger zusammenschmelzen und am Vortag meiner Hochzeit überreichte sie in mir. Ganz ehrlich, das war ganz mieses Karma. Ich denke mal, meine Mutter wollte mir eine Freude machen, der Anhänger ist sehr hübsch und äußerst wertvoll (echte Steine usw.), aber das kam bei mir nicht so an...aber ich wollte meine Mutter auch nicht verletzen also versprach ich, den Anhänger auf dem Standesamt bei mir zu haben und hoffte einfach, dass das kein böses Omen war. Leider kann ich kein Foto von dem Schmuckstück hier rein stellen, Geschichte dazu folgt noch...
Auf jeden Fall war ich erst gegen 21 Uhr zurück und vollkommen fertig, aufgeregt...ja das schrieb ich ja schon. Habe trotzdem wie ein Stein geschlafen.

Hochzeitstag
5 Uhr aufgewacht, aufgestanden, geraucht, Kaffee gekocht. Da trabbte meine Freundin in die Küche und schrie "oh mein Gott, wir heiraten heute". Da fiel mir das dann auch wieder ein und meine anfängliche Gelassenheit ging winkend an mir vorbei und verabschiedete sich. 2 Stunden rannte ich wie ein aufgeescheuchtes Huhn durch das Haus, bekam Panik, beruhigte mich wieder, ging Rauchen, trank Kaffee, bekam wieder Panik usw. Um 7:30 wollte ich beim Frisör sein und ich weiß nicht, wie ich da hin gekommen bin, ich war definitiv nicht in der Lage Auto zu fahren.
An alle, die nochmal irgendwann vorhaben zu heiraten, geht morgens zum Frisör, das entspannt ungemein. 1 Stunde lang Haare machen lassen, schminken, herrlich :) und ich sah danach sooooooo hübsch aus. Leider wieder kein Foto, da unsere Trauzeugin die noch nicht rausrückt :(
Um 8:30 konnte ich nach Hause, Kleid anziehen und dann los. In Bremen noch meine Trauzeugin eingesammelt und anschließend auf nach Hamburg. Spannung stieg...
Ich muss mich jetzt mal als richtiger Dorfbewohner outen; ich bin auf einem Dorf groß geworden, habe letztlich nur 2 Jahre in einer mittelgroßen Stadt gelebt und lebe auch schon wieder seit 5 Jahren auf einem Dorf. Daher ist eine Großstadt wie Hamburg doch immer etwas abenteurlich. Ihr müsst mir diese Aussage verzeihen, aber ich habe im "Ghetto" geheiratet. Standesamt Hamburg Mitte, direkt an einer Hauptstraße liegend, umgeben von Hochhäusern mit Grafittis etc. Es war der Wahnsinn und das meine ich im positiven Sinne. Wir sahen frischgetraute Ehepaare in Motorradkleidung, Jogginganzügen (die waren sehr geil), Paare jenseits der 60, also lauter Eindrücke, die es hier bei uns zuhause nicht geben würde. Und das Schöne daran war, wir waren mitten drin :) Ich hatte schon ewig nicht mehr das Gefühl, so unauffällig zu sein, meine Frau an der Hand halten zu können, ohne schief angesehen zu werden und wisst ihr was, das ist ein unheimlich befreiendes Gefühl. Es ist nicht so, dass ich hier im Dorf nicht dazu stehen würde, wer oder was ich bin...aber es ist immer ein Stück weit Überwindung zu sagen, dass ich homosexuell oder Veganer bin. Damit bin ich/wir hier im Dorf eine Kuriosität, nicht abgelehnt aber in einer permanenten Erklärungs- bzw- Rechtfertigungsposition. In Hamburg war das ganz anders, schön, leicht, frei. Mit diesem beschwingten Gefühl gingen wir in das Standesamt. Der Standesbeamte lamentierte über die Rechtslage bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, Verantwortung, Rechte, Pflichten etc und kam letztlich zu der entscheidenen Frage. Mein "Ja" ging beinahe in Tränen unter - so ein Mist, dabei bin ich doch die "Harte" von uns beiden, aber nein, bei unserer Trauung liefen mir die Tränen. Zum Glück war ich nicht ganz allein, meine Trauzeugin und beste Freundin weinte hemmungslos mit. Das war so schön, ich kann das immer noch nicht richtig fassen :) Wir tauschten unsere Ringe und nach zwanzig Minuten war die Zeremonie vorbei - Wahnsinn
Aufschrift "Ich wurde für dich gemacht"

Am Auto auf dem Parkplatz empfingen uns die Trauzeugen und unsere Tochter mit Sekt und "unserem" Lied "The story" von Brandi Carlile. Wir tanzten im strahlenden Sonnenschein, drei Herzluftballons stiegen in die Luft und wir waren glücklich.
Danach fuhren wir quer durch die Stadt zum Essen. Wir hatten einen Tisch im Restaurant Schanzenstern bestellt, nachdem das im Leaf aus Zeitgründen leider nicht passte. Schanzenstern bezieht seine Produkte fast ausschließlich von Bioland oder Demeterbetrieben, somit konnte ich mich auch halbwegs damit anfreunden, dass unsere Trauzeugen sich Fleischgerichte bestellten. Ich genoß ein Seitangulasch und Apfeltarte zum Nachtisch. Dazu noch ein schönes Bio-Weizen und ich war seelig :)


Vorspeisensalat

Seitangulasch
Apfeltarte
Unsere Trauzeugen dekorierten zwischenzeitig den Tisch und somit erfahrt ihr auch gleich meeinen neuen Nachnamen
Mehr als satt und unheimlich müde versuchten wir uns auf den Weg Richtung Hotel zu machen, um eine kleine Nachmittagspause einzulegen. Dies war ein schwieriges Unterfangen da anlässlich unserer Hochzeit Massen von Christen in die Stadt geströmt waren, um sich mit uns zu freuen. Natürlich durften die sich nicht offiziell mit uns zeigen, daher trafen sie sich unter dem Mantel des
"Kirchentages"

Das Problem an diesen Menschenmassen war allerdings, dass diese ganz beseelt kreuz und quer über die Straßen liefen, wodurch unsere Fahrt durch die Stadt ein Spießrutenlauf wurde. Aber wir haben das Prinzip der Nächstenliebe gelebt und niemanden überfahren :)
Im Hotel machten ir kurz Siesta um anschließend auf der Terrasse bei strahlendem Sonnenschein Kaffee tranken. Zur Belustigung aller mussten meine Frau und ich ein Spiel spielen "Wie gut kennt ihr euch?" Rücken an Rücken sitzend mussten wir via Herzkarten mit Namen Fragen beantworten, wie "Wer hält sich für den besseren Autofahrer?", "Wer ist eifersüchtiger?" etc. Bei Übereinstimmung durften wir ein Geschenk auspacken und wir bekamen viele Geschenke; soviele Menschen hatten an uns gedacht, das war ein wunderschönes Gefühl.
Dabei bemerkte ich die Katastrophe: die Kette meiner Mutter, die schön ordentlich den ganzen bisherigen Tag an meiner Tasche gebaumelt hatte, war gerissen. Anhänger weg. Erst überkam mich ein fürchterlich schlechtes Gewissen und dann ein Lachanfall - das war Schicksal und sollte einfach so sein :)
Von da aus fuhren wir mit der U-Bahn Richtung Rathaus, wo uns unsere Trauzeugen mit einem "Dämmertörn" auf der Alster überraschten. Ich glaube ich habe noch nie etwas so romantisches wie diesen Dämmertörn erlebt, Sonnenuntergang auf dem Schiff, viel Sekt und viel Liebe (*schmalz*).
Gegen 22 Uhr war die Rundfahrt zu Ende und wir fuhren jetzt engültig erschöpft ins Hotel zurück. Im Zimmer angekommen war ich dann plötzlich nicht mehr erschöpft und es wurde eine laaaaaannnnnge Nacht ;)
Das war unser kleiner, perfekter Hochzeitstag

Der Tag danach
Am nächsten Morgen sind wir viel zu früh erwacht. Nach ausgiebigem Kuscheln gönnten wir uns erstmal Kaffee und Zigarette auf der Hotelterasse im Sonnenschein. Unsere Trauzeugen und unsere Tochter schliefen noch tief und fest. Ich war so glücklich und verliebt und aufgedreht in unserer frühmorgentlichen Zweisamkeit und bekam den inständigen Wunsch, für immer in Hamburg zu bleiben :)
 Gegen 10 Uhr trafen wir uns alle in der Hotellobby, checkten aus und fuhren mit den Auto´s zum Cafe Miller zum Frühstück. Ich liebe dieses Cafe/ Kneipe; vor ca einem Jahr waren wir dort auf einem Hamburgausflug mal Kuchen essen und seitdem hänge ich an diesem Ort. Die Einrichtung ist gemütlich, unkompliziert, die Bedienung sehr freundlich und das Essen klasse (Frühstück gibt es bis 17 Uhr). Wir bekamen ein riesiges Frühstücksbuffett, wobei mir die Erklärung für die Butter/Margarine am meisten in Erinnerung geblieben ist (siehe Bildunterschriften) - sehr vegantypisch :)



"Das mit dem roten Gemüse ist Butter, halt wie Blut"

"Das mit dem grünen Gemüse ist Margarine, grün wie die Hoffnung"

Veggieteller
Hummus und Kräuteraufstrich



Dazu die beste Cola der Welt :)
Und zum Abschluß Obstsalat

Die Kneipe ist voll mit diversen Stickern, man kann also ewig an dder Theke sitzen und sich alle nacheinander durchlesen - diese gefielen mir besonders gut
Zum Abschluß machten wir noch einen kleinen Abstecher auf die Reeperbahn, wo ich zwei neue Erfahrungen sammeln konnte: 1. es fällt nicht auf, wenn zwei Frauen gegen Mittag zusammen tanzen und 2. es ist ziemlich schwer einer 9jährigen das Thema Prostitution zu erklären.
Unsere Trauzeugen verabschiedeten sich; die eine brachten wir zum Bahnhof, damit sie ihre Heimreise Richtung Frankreich antreten konnte, die andere (hochschwanger) wurde völlig erschöpft von ihrem Mann nach Hause gefahren.
Da es erst Mittag war und wir uns noch nicht wirklich von dieser unheimlich schönen Stadt trennen konnten, machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Blankenese und genossen den Nachmittag an der Elbe.
Abends kamen wir zuhause an, vor unserer Haustür stand ein wunderschöner Blumenstrauß, unser Postkasten quoll über vor Glückwunschkarten und Päckchen - wenn das immer so läuft, heirate ich öfters :)

Kleiner Zusatz, da es einfach zu diesem Tag dazu gehörte:
Abends waren wir auf den Geburtstag unserer Nachbarin eingeladen, wo wir natürlich auch noch hingingen. Es waren mehrere Leute aus unserem Dorf da und die Begrüßungen fanden auf dreierlei Weise statt (wohlgemerkt, alle wusste, dass wir geheiratet hatten, bzw. haben dies den Abend mitbekommen)
1. "Hey lasst euch drücken, herzlichen Glückwunsch, ich freu mich so für euch" - von unseren Nachbarn/Freunden
2. "Hallo" - von Leuten, die wir nicht so gut kennen
3. "....." - betroffenes Schweigen von Personen, die wir gut kennen
Solche Situationen kannten wir bereits und waren darauf eingestellt. Leider wurde uns nur an diesem Abend unsere Absonderlichkeit von zwei besonders idiotischen Menschen vor Augen geführt; es wurde über ein neuzugezogenes (vermutlich lesbisches) Pärchen gesprochen, die es gewagt hatten, sich zu beschweren, dass die Männer aus dem Ort bei ihren Ausflügen zur kleinen Dorfhütte, die unglücklicherweise gegenüber des Hauses der beiden Frauen liegt, ihre Notdurft an deren Hecke verrichten. "Das ist doch so typisch, erstmal aufs Land ziehen, sich nicht integrieren, was weiß ich was im Haus treiben und dann auch noch rummeckern. Die müssen erstmal lernen, dass man sich den Dorfgewohnheiten anzupassen hat" - Ganz ehrlich, ich hätte mich auch beschwert und war in diesem Moment nur froh, dass die Hütte nicht gegenüber unseres Hauses steht.
Und da war uns klar, der Alltag hat uns wieder...es ist noch ein langer Weg, bis sich die meisten Menschen ganz unvoreingenommen gegenüber Homosexuellen verhalten können, besonders auf dem Dorf. Ich vermisse Hamburg.

Was bleibt?
Ich liebe meine Frau
Wir hatten eine traumhafte Hochzeit mit den wichtigsten Menschen unseres Lebens
Hamburg ist geil
Es haben so viele Menschen an uns gedacht
Es ist schwer, sich an einen neuen Nachnamen zu gewöhnen
Mieses Karma kann sich auflösen (Kette)
Dorfleben kann manchmal ganz schön anstrengend sein
Nach einer Hochzeit sollte man sich Urlaub nehmen (hab gestern wieder gearbeitet, der Alltag kommt viel zu schnell wieder)
Ich habe geheiratet, wirklich. Ich habe "Ja" gesagt, sie hat "Ja" gesagt, wir haben Ringe, einen Lebenspartnerschaftsnamen, das ist unglaublich.