Montag, 3. Juni 2013

Letzter Tag zum Unterschriftensammeln und eine experimentierfreudige Mairübenquiche

Vorweg eine kurze Info: Dies ist die Beschreibung eines Ereingisses, wie ich es wahrgenommen habe. Sollten sich einzelne oder mehrere Personen hierdurch angegriffen fühlen, lest bitte hier weiter

Heute habe ich den letzten Tag Rundreise durchs Dorf gemacht, um Unterschriften gegen den Schlachthof in Ahlhorn zu sammeln. Habe mich die letzten Tage da soviel reingehängt, dass ich jetzt doch etwas froh bin, dass morgen die Listen abgegeben werden und das Ganze dann vorläufig ein Ende hat (meine Freizeit hat mich wieder :)  )
Allerdings bin ich bei dieser ganzen Aktion über ein anderes Thema gestolpert, wozu ich jetzt mal etwas Dampf ablassen muss: Engagement
Ich fang mal bei der Online-Petition an:
Ich habe diese Dinger schon häufig unterschrieben zu verschiedensten Themen - Eintragung des Zusatzes "sexuelle Orientierung" im Paragraph 3 des Grundgesetztes, "Nein" zum Wiesenhof-Schlachtbetrieb in Wietzen, Stoppt Gewalt gegen Homosexuelle in Südafrika etc. etc. Dieses war meine erste selbstentworfene Online-Petition. Ich habe dabei viel gelernt: 1. So eine Petition ist schnell und einfach gemacht, von daher kann ich jedem raten, der sich für ein bestimmtes Thema einsetzt - MACHT ES!!! und 2. Dadurch, dass so eine Petiton total einfach in´s Netz zu stellen ist, kann für jeden Sch***demonstriet werden (Bsp.: Herr Pischler soll seinen Klingelton ändern), was ich sehr schade finde, weil das Ganze doch dann unheimlich an Ernsthaftigkeit verliert. Aber okay, ich hab das gemacht und war unheimlich stolz auf mich.
Doch dann begann der Ärger - kein offensichtlicher Ärger, mehr so eine innere Wut. Ich habe den Link für diese Online-Petition geteilt, wo ich konnte; hier, in Internetforen, bei Facebook, Google+ und überall, wo ich sonst noch so rumstromere. Wie und wo und wann unterschrieben wurde, kann ich nicht nachvollziehen, aber eines konnte ich mir sehr gut ausrechnen:
Ich bin mit 202 Personen alleine bei Facebook befreundet (das sind diese tollen Freundschaften, die nur im Netz existieren, wo man sich privat eher aus dem Weg geht). Unter diesen 202 Personen gibt es niemanden, den ich nicht in irgendeiner Form persönlich kenne (mal mehr, mal weniger gut). Von diesen 202 Personen haben sage und schreibe 4 sich eingetragen. Witzigerweise haben jedoch 20 Personen"Gefällt mir" angeklickt.
Über übrige Foren und Netzwerke haben theoretisch (ich schätze das anhand der Mitgliederanzahl von verschiedenen Gruppen und Communities) 3000 Personen den Aufruf erhalten, ihre Signatur bei dieser Petition zu hinterlassen - unterschrieben haben 151 Personen.
Natürlich schicke ich erstmal ein dickes DANKE!!! an diejenigen, die ihren Einsatz zu dem Thema gezeigt haben. Superklasse, dass ihr meine kleine Heimatgemeinde unterstützt und drückt die Daumen, dass wir diese riesen Schweinerei verhindern können.
Aber nichts desto trotz macht mich das auch...traurig? wütend? Ich verstehe eine Menge, ich verstehe die Personen, die sich für diesen Schlachthof aussprechen (was nicht heißt, dass ich deren Meinung gutheiße), ich verstehe die wirtschaftlichen Interessen und auch die politischen, die dahinter stehen. Ich verstehe jedoch nicht, was Menschen davon abhält, 4 Klicks auf ihrer Tastatur zu machen, um sich für Etwas einzusetzen. Was treibt Menschen dazu, mehr Interesse an peinlichen Youtube-Videos zu haben, als am Einsatz für ihre Mitmenschen, Umwelt und Natur??? Ich verstehe das einfach nicht, kann mir das irgendwer erklären?
Unterschriftenliste
Der Unterschied bei einer Unterschriftenliste zu einer Online-Petition liegt auf der Hand. Man muss direkt mit den Menschen, von denen man eine Unterschrift haben will, in Kontakt kommen. Ich habe das auf dreierlei Arten gemacht. Menschen, die ich tagtäglich sehe (Freunde/Arbeitskollegen), Radtouren durchs Dorf und an jeder Haustür klingeln, Protestaktionen zusammen mit der Bürgerinitiative vor Ort.
Ich habe nicht erwartet, alle Personen überzeugen zu können (und ich konnte viele überzeugen). Aber diese fortwährenden Disskusionen bis hin zu Anfeindungen gehen mir nicht aus dem Kopf. "Hast du nichts besseres zu tun, als dich für so einen Krams zu engagieren?" "Ich bin ja grundsätzlich auch dagegen, aber will mich da nicht auf eine Seite stellen mit so einer Unterschrift" "Ich halte mich da raus" "Aber ich mag Fleisch" (zu diesem: "ganz ehrlich, darum gehts nicht") "Ich kann da nicht unterschreiben, mein Nachbar ist im Gemeinderat und unterstützt dieses Bau" "Ich kann da nicht unterschreiben, bin zwar auch dagegen, aber als Landwirt kann ich mich nicht öffentlich dagegen äußern" "Ich habe jetzt keine Zeit dafür" "Ich muss da erstmal noch drüber nachdenken" "Du immer mit deinem nervigen Tierschutzkrams"
Da sieht man ganz klar zwei unterschiedliche Positionen: Ablehnung und Angst. Ich kann niemanden überzeugen, der offensichtlich für diese Schlachtbetriebgeschichte ist. Aber wieso haben Menschen ANGST davor, sich für das Richtige einzusetzen. Mein Nachbar, mein Boss, mein Ruf, blablalbla. Ich mache mich hier in unserer kleinen Ortschaft nicht unbedingt beliebt damit, dass ich Unterschriften sammel (hier leben halt überwiegend Landwirte), heißt das denn im Umkehrschluss, dass ich mich besser nicht für das Richtige einsetzten sollte, nur weil vielleicht danach mich ein oder zwei Leute weniger auf der Straße grüßen???
Vielleicht ist der Vergleich etwas hart, aber ich finde ihn angemessen: Leben wir immer noch in "Nazi-Deutschland", wo vor Unrecht weggesehen wird? Hauptsache ich kann mein Leben friedlich und unbeschwert weiterleben? Bloß nicht hinterfragen? Und bloß nicht wehren???? Bloß nicht aufstehen und sagen "Stopp, ich unterstütze das nicht"???
Mag sein, dass ich ein Idealist bin, vielleicht erwarte ich zuviel von anderen Menschen...
So, jetzt ist es mal raus, jetzt hab ich mich genug geärgert. Immerhin konnte ich heute noch 25 Unterschriften aus dem Dorf zusammen sammeln. Dabei ist mir leider ein Unglück passiert - ich bin schön mit dem Fahrrad von Haus zu Haus gefahren, geredet, geredet, geredet und als ich dann endlich wieder zuhause ankam, viel mir auf, dass eine ausgefüllte Liste mir abhanden gekommen war. So ein blöder Mist, 20 Unterschriften weg, wahrscheinlich auf dem Weg verloren und nicht wiedergefunden :( Damit ist die Anzahl meiner Unterschriftensammlung auf 75 geschrumpft, aber besser als nix. Schätzungsweise müsste damit eine Gesamtanzahl von rund 2500 Unterschriften allein aus der Gemeinde ergeben - nicht schlecht.
Auf jeden Fall wurde etwas bewegt in der Gemeinde, die Menschen wurden aufmerksam auf die Zustände in solchen Schlachtbetrieben, auf die Folgen für die Umwelt und für das Gemeindeleben und viele haben kritisch ihren Fleischkonsum betrachtet. Was will man mehr? - Natürlich, dass dieses Ding jetzt nicht gebaut wird, Entscheidung wird nächste Woche gefällt.

So, neben dem habe ich aber auch ein neues Rezept :) Habe Mairüben gekauft ohne zu wissen, was ich damit tun könnte, geschweige denn, wie die eigentlich schmecken. Nach einigen Recherchen im Internet, wurde ich dann mal kreativ (ich mag Eintöpfe nicht so gerne) und habe mir selber was überlegt. Ergebnis - manchmal kann ich unheimlich gut kochen ;)


Mairübenquiche
Teig
100g Margarine
80g Sojajoghurt
1/2 Tl Salz
160g Mehl

Füllung 
3 große Mairüben oder 5-6 kleine
1 große Möhre
1 rote Zwiebel
200g Räuchertofu
Salz, Pfeffer

Guß
200ml Hafersahne
50ml Hafermilch
Salz, Pfeffer, Majoran, Kerbel
optional etwas Wilmersburger Pizzaschmelz 

Die Zutaten für den Teig in den TM tun und 2Min/Teigstufe verkneten. Den Teig anschließend in eine gefettete Quicheform (oder wenn man so wie ich keine hat, nimmt man eine Pizzaform) drücken, am Rand etwas hochziehen.
Mairüben in dünne Scheiben schneiden, Möhren mit nem Sparschäler oder ner Reibe oder was auch immer in Streifen schneiden. Tofu und Zwiebeln klein würfeln. Die Mairüben in die Quicheform schichten, mit Salz und Pfeffer würzen. Die Möhrenstreifen ober drauf verteilen, ebenso die Zwiebeln und den Tofu.
Die Zutaten für den Guß verrühren und über die Quiche geben (das ist nicht viel Guß, reicht aber völlig aus. Wer will, kann ja mehr machen, weiß aber nicht, ob das dann zu klitschig wird)
Das ganze im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad (O-/U-Hitze) ca. ne halbe Stunde backen. Zwischenzeitig schauen, ob die Rübenscheiben durch sind.
Guten Appetit!
 


Nochmal was anderes: Nach einer Anfrage per Mail ist mein Blog jetzt auch bei Facebook vertreten (keine blöde Idee, nutze ich im Allgemeinen eh merh als Google+). Ich freu mich über "Gefällt Mir"-Angaben auch wenn ich sie oben kritisiert habe :) Einfach unter Müsli vom Dorf schauen 

Kommentare:

  1. ja, ich ärger mich auch immer wieder über so etwas. hab die petition auch über meine facebookseite vegetarisch/vegan geteilt (reichweite über 500000). es gefällt immer ganz vielen, aber das war es dann oft schon. zum glück hatte ich noch reichlich listen bei veggiemaid ausliegen. hier haben wirklich sehr viele menschen unterschrieben und da bin ich sehr glücklich drüber. vllt ist es am ende doch besser persönlich mit den menschen ins gespräch zu gehen. lg steffi

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    1. Stimmt, die Listen vom Veggiemaid waren mit die Vollsten :) danke für deine Unterstützung. Facebook finde ich vom Prinzip ne super Sache, nur leider nutzen das viele Menschen nicht entsprechend - Wir sind halt ne "Spaßgesellschaft", ohne Rücksicht auf Verluste

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