Samstag, 29. Juni 2013

Tierschutz und Tierverwöhnung

Ich gelange in einen erneuten Gewissenskonflikt:
Am 13.07.2013 findet in Nienburg eine große Demonstration gegen Tierfabriken statt. Das Ganze beginnt um 12:30 in Nienburg vor dem Rathaus, danach geht es weiter zu der Schlachtfabrik in Wietzen (Wiesenhof) mit einer Kundgebung. Nähere Infos hierzu unter http://aktionscampgegentierfabriken.blogsport.de/

Die Schlachtfabrik von Wiesenhof befindet sich nicht direkt in Wietzen, sondern um genau zu sein in der kleinen wunderschönen Ortschaft Holte. Ich habe den Umbau dieser Fabrik, die vorher eine Milchverarbeitungsanlage war, miterlebt. PETA rief damals zum Protest gegen diesen Schlachhof auf, ohne Erfolg. Diese Fabrik wurde gebaut und liegt sehr idylisch an einem Waldrandgebiet. Wer sich in der gegend nicht auskennt, hat Schwierigkeiten, dieses Gebiet aufindig zu machen. Ich kenne mich dort sehr gut aus. Meine Großmutter und mein Onkel mit Familie leben in Holte, gerade mal 400m von der Schlachtfabrik entfernt. Jetzt ratet mal, womit dieser Teil meiner Familie ihren Lebensunterhalt verdient - richtig, mit Geflügelhaltung. In erster Linie mit Eierproduktion, aber auch Fleisch, Wild verkaufen sie via Direktvermarktung; mein Onkel fährt zweimal die Woche auf Wochenmärkte mit seinem Wagen, zudem haben sie einen kleinen Hofladen. Natürlich haben die daurch nicht direkt was mit der Wiesenhofschlachtfabrik zu tun, aber als "gute, alteingesessene" Landwirte sprechen sie sich natürlich nicht gegen solche Fabriken aus - im Gegenteil. Sie betrachten solche Institutionen als notwendige Instanzen für Landwirte, um Geld zu verdienen. Ich verstehe nicht, was in den Köpfen von unseren Lebensmittelproduzenten vorgeht - sich an große Schlachtkonzerne zu binden, bedeutet letztlich immer eine Versklavung und Enteignung von Rechten; nicht der Landwirt bestimmt die Maßstäbe, wie er seine Tiere hält, sondern er muss sich an Vorgaben der Konzerne halten (mal abgesehen von den staatlichen Vorgaben). Ist es das, was Landwirte wollen oder scheuen sie sich nur, gegen Konzerne ihrer "Branche" vorzugehen?
"Wir können nichts dagegen sagen, wir verdienen selber unser Geld damit" - diesen Satz habe ich hier in der Gegend auch zu oft gehört. Ich verdiene mein Geld mit der Pflege von Menschen. Ich arbeite in einer kleinen Einrichtung mit einem relativ guten Personalschlüssel und dem persönlichen Anspruch, dass es meinen zu Betreuenden so gut wie möglich geht- heißt das, ich darf große Einrichtungen, die ihre "Patienten" nach dem Prinzip "Satt und Sauber" behandeln und ihre Mitarbeiter gehaltsmäßig ausbeuten, nicht kritisieren, nur weil das die gleiche Branche ist???? Der Sinn erschließt sich mir nicht. Ist es nicht eher meine Pflicht, immer wieder publik zu machen, wie gut es den Menschen bei uns geht und wie fatal die Folgen von niedrigen Pflegesätzen,schlechten Löhnen und zu wenig Personal sind? Bitte liebe Landwirte, schaut doch mal über euren Tellerrand!!!
So, nix desto trotz werde ich an dieser Demo teilnehmen, mich für das Wohl von Tieren einsetzen und mal wieder gegen die Lebensgrundlage meiner Familie... Meine Überzeugung steht fest und doch hoffe ich, dass mich niemand dort sieht, den ich kenne - am wenigsten meine Großmutter, sie würde und kann dieses Engagement nicht verstehen und ich möchte sie trotz dieser unterschiedlichen Lebensansichten nicht verletzen...
Muss eigentlich nahezu meine komplette Familie aus Landwirten bestehen??? Permanet stehe ich in diesem Konflikt "Das ist totale Sch***, was die machen" vs. "Ich kann sie doch nicht für ihren Lebensunterhalt verurteilen"...ach, es wäre richtig schön, nochmal in der Pupertät zu sein; da ist es normal auf Krawall mit seiner Familie zu gehen - als Erwachsener macht man sich das sehr viel komplizierter mit "Verständnis" und solchem Mist.

Ich denke aber ja nicht nur an die Massen an Tiere, manchmal habe ich auch das Wohlergehen meiner Haustiere im Blick ;)
Nachdem ich jetzt für mich gedanklich diese Tierfutterthematik durch habe (ich bin auf Bio umgestiegen), habe ich mich nebenbei noch etwas schlau gemacht wegen Leckerlies - hab mir gedacht, wenns schon Fleisch im Futter ist, sollen wenigstens die Leckerlies vegan sein. Weiter gedacht habe ich mir, warum kaufen, was man selber machen kann und so entstand mein erste Hundekuchenversuch

Möhrenhappen

150g Möhren

300 g Vollkornmehl

150g Maisgrieß

50 g Öl

50 g Wasser

50 g Agavendicksaft



Möhren im TM gut zerkleiner. Alle Zutaten miteinander zu einem Teig verarbeiten. Der ist etwas krümmelig, lässt sich aber zu einer Masse zusammendrücken und formen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen, aus dem Teig kleine Kügelchen formen, etwas flach drücken und auf das Blech legen. Die Kekse bei 160 °C ca. 30 Minuten

backen. Die Leckerchen kühl und trocken lagern. 


Das coolste an der ganzen Sache war, dass mein dicker Bosse sich vor Freude beim Teignaschen fast überschlagen hat - endlich durfte er das mal :) und er entwickelt sich zu einem Möhrenhappenjunkie. Meine Kostprobe fand ich okay, aber ich muss sie ja nicht so sehr mögen :)

1 Kommentar:

  1. Ich finde diese Einstellung - jetzt mal unabhängig von der Berufsgruppe - ziemlich schockierend. Dass Landwirte nichts gegen z.B. Schlachtungen an sich sagen, ist mir klar, aber, dass man als kleiner Landwirt nichts gegen Massentierhaltung hat, ist mir unbegreiflich. Hinzu kommt noch, dass davon die kleineren Landwirte ja sogar platt gemacht werden.
    Ich möchte im späteren Leben jedenfalls immer kritisch gegenüber der Berufsgruppe, zu der ich gehören werde, bleiben.

    Glaub mir, gerade wenn man jugendlich ist und noch nicht auf eigenen Füßen steht, ist es viel schwieriger, sich durchzusetzen. Deinen Gewissenskonflikt speziell habe ich als Stadtkind, das keine Landwirte persönlich kennt, nicht, aber ich denke, damit hätte ich auch ein Problem, wenn ich auf dem Land leben würde, udn es wäre mir nicht egal, weil ich ind er Pubertät bin. Aber natürlich lebe ich auch entgegen der Grundsätze meiner Familie, schließlich gehören Ernährungsweise und Konsum auch zu wichtigen Dingen, mit denen man sich alltäglich beschäftigt. Und ich fände das viel einfacher, wenn ich mehr Distanz zu meiner Familie hätte und sie mir wenig zu sagen. Ich denke aber, du machst dir auch oft ein schlechtes Gewissen, wo es keinen Grund dafür gibt.

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