Freitag, 14. Juni 2013

Überfällige Putzwoche - Tag 4 Schlafzimmer mit Wut im Bauch und Thema "Vegan für Kids"

Heute hab ich Spätdienst, daher ist die Putzaktion schon früh abgeschlossen. Ich schreibe jetzt auch nicht wirklich was über unser Schlafzimmer, das ist mein privates Himmelsreich. Nur soviel: meine Mutter sagt immer, in einem Haus, wo Spinnen leben, ist viel Liebe. Und tatsächlich sind in unserem Schlafzimmer soooooooo viele Spinnen - na ja, jetzt nicht mehr ;)
Wieso Wut im Bauch? Mal ehrlich, ich bin ein freundlicher Mensch - ich streite selten, werde nie großartig wütend und breche Disskusionen gerne um des Friedens Willen frühzeitig ab. Kennt ihr Fanny van Dannen? Der hat ein Lied zu dem Thema geschrieben, was mir diesbezüglich aus der Seele spricht - das Lied findet ihr hier. Auf jeden Fall war ich beim Völkerballtraining, was nicht wirklich stattfand, weil jemand Geburtstag hatte (Bier!!!). Wir haben auch schön Smalltalk gehalten, bis jemand mich fragte, was denn unser Bürgerprotest gegen den Schlachthof machen würde. Ich gab ein kurzes Update, was ich hier mal eben erläutere. Montag war Demonstration vor dem Rathaus anlässlich der Gemeinderatssitzung...(hab ich schonmal geschrieben - siehe hier). Das Ergebnis dieser Aktion sah wie folgt aus: SPD wollte das ganze Unterfangen kippen (sprich, die wollen jetzt auch keinen Schlachthof in Ahlhorn), CDU und FDP waren zu feige offene Stellung zu beziehen (die sind für den Schlachthof und eine Stellungnahme zu "Wir wollen den Schlachthof" würde Wählerstimmen kosten) und daher wurde beschlossen, einen Bürgerentscheid durchzuführen. Vom Prinzip ist das ne gute Sache, aber wir hatten einfach auf einen Abschluß dieser Geschichte gehofft. Jetzt wird sich die ganze Sache noch ein paar Monate hinziehen und letztlich wofür? Es sind bereits 3000 Unterschriften aus der Gemeinde eingegangen, warum muss jetzt noch eine Bürgerentscheidung gemacht werden?
Diese Erklärung gab ich auch meinen Völkerballdamen. Daraufhin wurde ich von einer Frau angesprochen und es enstand eine unschöne Disskusion.

Sie: Ich kann da nichts gegen sagen, wir waren früher selber Landwirte und haben Mast betrieben.
Ich: Dieser Protest richtes sich ja aber garnicht gegen sondern für die Landwirte. Wir wollen, dass Landwirte ihren Grund nach besten Wissen und Gewissen bewirtschaften können und sich nicht zu wirtschaftlichen Agrarfabriken entwickeln müssen.
Sie: Ich finde das aber gut, wenn der Schlachthof kommt. Letztlich essen die meisten Menschen ja Fleisch und der Bedarf muss ja auch gedeckt werden.
Ich: Deutschland hat eine Überproduktion an Fleisch, d.h. dass das meiste eh exportiert wird. Um unseren (meinen nicht) Bedarf an Fleisch zu decken, besteht keine Veranlassung hier eine weitere Schlachanlage zu bauen. Das hat nur negative Konsequenzen für unsere Gemeinde
Sie: Aber das ist doch gut, wenn das exportiert wird. In anderen Ländern brauchen die ja auch was zu Essen. Wir werden immer mehr Menschen und es gibt so viel Hunger auf der Welt.
Ich: Wusstest du, dass für die Produktion von einem Kilo Fleisch, 17 Kilo Getreide benötigt werden. Meinst du nicht, dass man dann den "Welthunger" besser anders bekämpfen könnte, als mit der Produktion von noch mehr Fleisch?
Sie: Na ja, aber so wie du das betreibst ist das ja krankhaft. Du wirst später unheimlich gesundheitliche Probleme bekommen und das für eine Angelegenheit, die du eh nicht ändern wirst.

Das ganze lief noch kurz weiter und ich war so wütend. Wütend darüber, dass ich dieses Thema mit jemandem disskutieren musste, der sich nie näher damit beschäftigt hat und mal eben diese landläufigen Ansichten raushaut - DAS NERVT!!!! Und dann auch noch dieser persönliche Angriff dabei. Ich war soooooo wütend und diese Wut ist auch noch nicht ganz verraucht - es gibt so blöde Menschen!!!

 Heute bin ich zusätzlich ein für mich wichtiges Thema angegangen: unsere Tochter. Unsere Tochter (9 Jahre) ernährt sich seit ca einem Jahr vegetarisch. Sie war immer überzeugte Allesesserin, was sich änderte, nachdem ich ein bisschen viel geredet hab :) Vorher lebten wir drei folgendermaßen zusammen: ich vegetarisch, meine Frau und ihre Tochter Fleischesser. Dann wurde ich vegan und habe meine Ansichten besonders bei den Mahlzeiten kundgetan - schwupps, wurden beide Vegetarier. Unsere Tochter nimmt ihre vegetarische Ernährung sehr ernst, mittlerweile will sie auch nur noch Gummibärchen ohne Gelatine. Sie hört mir auch immer aufmerksam zu, wenn ich über Vegansismus spreche - das findet sie total toll, nur sieht sie für sich auch ein schwerwiegendes Problem bei der veganen Ernährung; sie mag viele Sachen nicht. Insbesondere Lebensmittel die, wie sie sagt "gefälscht" sind, z.B. Hafermilch, Sojajoghurt, veganen Käse - das ist ihr suspekt. Sie weigert sich auch vehement, solche Lebensmittel zu probieren.
Ich lasse sie so wie sie ist, ich bin sehr stolz darauf, wie sie sich fürs Vegetariersein begeistern kann und ich sehe keinen Sinn darin, sie zum Veganer zu machen, nur weil ich es bin. Aber es wurmt mich seit Ewigkeiten, dass für sie Veganismus gleichbedeutend mit "schmeckt nicht" ist. Unsere Mittagsmahlzeiten sind rein vegan, weil ich keine Lust auf doppeltest Kochen habe und meine Frau liebt das, was ihr ihr zubereite. Unsere Tochter weniger, von daher habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, wie ich ihr das ganze schmackhafter machen könnte.
Problemanalyse: Ich koche seltenst Pfannkuchen oder Nudeln, schmeckt mir nicht - ich nicht gerne süß zu Mittag und Nudeln finde ich größtenteils unspektakulär. Unsere Tochter isst nicht gerne Sachen, die "durcheinander" sind, sprich Aufläufe, Gemüsepfannen etc. Und sie hat eine Abneigung gegen ziemlich viele Gemüsesorten (was wahrscheinlich viele Kinder haben). Ich steh da vor dem Problem, dass ich in erster Linie koche, was mir schmeckt. Ich bin etwas überfordert damit, etwas zu Kochen, was ihr und mir schmeckt und dennoch will ich das Thema angehen, weil ich keine Lust mehr habe, auf das Gemurre am Tisch "ich habe keinen Hunger" etc.
Also habe ich mir Inspiration geholt in dem Buch "Vegane Küche für Kinder" von Christina Kaldewey.

Ein sehr schönes Buch: Zu Beginn gleich eine ausführliche Erklärung über vegane Kinderernährung, Nährstoffe, Breikost etc. Die Rezepte sind gut erklärt und kommen ohne großartig komplizierte Zutaten aus, was ich sehr sympatisch finde. Insgesamt ist das Buch eher auf Säuglinge und Kleinkinder ausgerichtet, aber als Ideenfundus auch für eine 9jährige perfekt. Unsere Tochter hat sich einen Ast abgefreut und mir gleich ausführlich erklärt, dass sie ja auch gerne mehr vegane Sachen essen würde, aber das schmeckt ihr ja immer alles nicht (ich bin eine schlaue Mama, hatte das schon bemerkt :)  ) Sie hat also fleißig das Buch studiert und sich gleich mehrere Sachen rausgesucht, die für sie lecker klingen.
Also gab es heute Brokkolicremesuppe.

Die Zutaten waren lediglich Brokkoli, Wasser, Brühe, Cuisine, Öl, Salz und Schnittlauch. Und ich muss sagen es war simpel und sehr lecker. Auch unserer Tochter hat´s geschmeckt, das erste Mal seit Wochen, zum Glück :)
Wahrscheinlich mache ich für ihren Geschmack nur den Fehler, mit zu viel verschiedenen Dingen zu kochen - ich probier jetzt mal die Methode "je einfacher, desto besser"
Ich bin mal gespannt, wie das weiterverläuft. Will jetzt mal Aufstriche aus dem Buch ausprobieren und wer weiß, vielleicht ändert sie ja etwas ihre Meinung über veganes Essen.
Die beste Erklärung bzgl Veganismus hat sie mir schon gegeben: "Wenn ich groß bin, dann mag ich ja auch alles. Kinder mögen ja immer nicht so so viele Sachen essen. Und dann werde ich auch Veganer weil das viel besser für die Tiere ist und mach dann einen veganen Hofladen mit ganz vielen Tieren, die ich von anderen Höfen gerettet habe, auf" -  *süß*
Ach, ich möchte auch nochmal klein sein :)



Kommentare:

  1. Solche Diskussionen sind doof -.- Gerade wenn Leute dann noch denken, Massentierhaltung würde den Welthunger bekämpfen. Oder dass man von veganer Ernährung gesundheitliche Probleme bekommen würde, aber letzteres ist ja leider sehr verbreitet und wird sogar auch noch von Ernährungs"experten" behauptet.

    Es ist schön, dass eure Tochter in ihrem zarten Alter so eine überzeugte Vegetarierin ist und sie auch viele Rezepte in dem Kochbuch ansprechen :-)

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  2. Ich werde es auch so langsam leid mit anderen Leuten zu disskutieren, vor allem wenn solche Argumente kommen. Gestern kam auch sowas "aber Gemüse hat doch auch Gefühle" - Was soll man dazu noch sagen...
    :-) danke, ich bin auch unheimlich stolz auf sie, kommt ganz nach ihrer (Stief-) Mama :-)

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  3. Auf eure Tochter kann man auch wirklich stolz sein. Schon die Geschichte mit dem Regenwurm hat mir sehr imponiert.
    Berichte doch bitte weiter, wie das Buch angekommt und was ihr so daraus kocht.

    Liebe Grüße
    Federchen

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  4. Diskutieren bringt leider nix - warum macht man's eigentlich trotzdem?...Mein Sohn rettet mit fast 18 noch jeden Regenwurm =)! Bei Kindern, finde ich, rennt man offene Türen ein...das ist der Key...eigentlich...


    https://www.facebook.com/pages/I-hate-how-spiders-just-sit-there-on-the-walls-and-act-like-they-pay-rent/126550760703367

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