Dienstag, 3. September 2013

Demo gegen den Megaschlachthof in Wietze

So viel zu tun und so wenig Zeit...bin die letzten Tage unheimlich viel unterwegs gewesen und hab ebenso viel zu berichten. Aber für eine bessere Übersicht (und wegen meiner Faulheit), werde ich das alles in mehrere Beiträge unterteilen. Ich fang heute schon mal mit dem ersten an. Es ist zwar jetzt schon ein paar Tage her, aber dennoch möchte ich euch von der hammergeilen Demo in Wietze berichten.
Unter dem Motto "Wir haben es satt - Gegen Agrarfabriken, für bäuerliche Landwirtschaft" versammelten sich am vergangenen Samstag 7000 Menschen in Wietze, um einen Umzug in der Ortschaft zu machen und anschließend den größten Schlachthof Europas (geplante 430.000 Schlachtungen täglich) von der Rothkötter-Gruppe zu belagern.
Tage vorher campierten bereits um die 150 Demonstranten in einem Vorort von Wietze. Dort fuhr ich am Samstag zuerst hin und bekam noch den Schluß des sog. Bauernfrühstücks mit. Zugegen waren unser Landwirtschaftsminister Herr Meyer, Frau Roth (von den Grünen), ein Biolandwirt, jemand den ich nicht kannte (Konsumentin aus Berlin???) und natürlich die Moderatorin.

 Es wurde viel debattiert darüber, wie Politik die Bedingungen für die Landwirtschaft, gegen die Industrialisierung dieses Bereiches und besserer Aufklärung beim Konsumenten schaffen könnte. Lange Rede kurzer Sinn: Die wissen es auch nicht - natürlich finden sog. "Tierschutzmaßnahmen" statt, diverse Produkte, Firmen, Betriebe können sich zertifizieren lassen, aber letztlich waren sich alle einig, dass diese Maßnahmen bei Weitem noch nicht ausreichend sind.
Interessant fand ich die Aussage unseres Landwirtschaftsminister auf die Frage, wie so ein riesen Schlachthof, wie dieser in Wietze, überhaupt erst gebaut werden konnte und warum die Politik dies zugelassen hat. Die Antwort: Das geschah unter der alten Landesregierung und wäre von der jetzigen Regierung nie zugelassen worden - interessant dabei ist, dass wir in Ahlhorn aber gegen so eine Schlachtanlage (ne Nummer kleiner) vehement demonstrieren müssen und keine Unterstützung unserer Landesregierung erhalten...aber okay, kurz vor den Wahlen reden die Politiker eh alles schön.
Nach dem Bauernfrühstück gings los nach Wietze. Ich ging zu Fuß...das war ein Fehler, da sich die Strecke doch tatsächlich auf 5 Kilometer belief... Aber so konnte ich das erhabene Gefühl entwickeln, auf einer Art Pilgerfahrt zu sein. Die Strecke führte mitten durch den Wald, ein paar Mutige (oder Idioten) hatten sich ebenfalls auf den Fußmarsch gemacht und so zogen wir Richtung Demonstrationsplatz
Das Wandern ist des Demonstranten Lust
Der Anti-Rothkötter-Weg
Ziemlich fertig (bin nicht sportlich und dazu noch Kettenraucher) kam ich am Platz an, und wurde gleich vom Grunzmobil begrüßt
Dort traf ich auch zum Glück meine Mitprotestler aus Ahlhorn - natürlich hatten wir eigentlich ne Fahrgemeinschaft geplant und jetzt ratet mal, wer diese verschlafen hat....Asche auf mein Haupt, hab mich für eine bessere Welt eingesetzt und zeitgleich ein unnötiges Auto mehr laufen lassen...
Zahlreiche Vereine und Organisationen unterstützend diesen Protest und hatten ihre Stände aufgebaut. Albert-Schweitzer-Stiftung, Vebu, die Grünen, die Linken und viele mehr. Die Voransprachen waren lang und zahlreich und hatten eine wunderbare Aussage: "Das besondere an diesem Protest ist, dass der Tierschützer mit dem bewussten Konsumenten, der Veganer zusammen mit dem Milchlandwirt demonstriert und das macht uns stark" - oh ja, da ist was wahres dran. "Faire Landwirtschaft" ist ein Thema, was alle angeht und hat, wie man an 7000 Teilnehmern sehen konnte, die Massen bewegt. Als alleinige Tierrechtsaktion wären niemals so viele Menschen auf die Straße gegangen. Letztlich mochte dort jeder unterschiedliche Beweggründe haben, an diesem Protest teilzunehmen, aber letztlich hatte jeder dort das gleiche Ziel - solche Verkörperungen von rein profitgesteuerter Lebensmittelproduktion aufzuhalten bzw. zu verhindern. Mit dieser Ansage konnte ich es auch schmerzlich aushalten, dass ein Bratwurststand aufgebaut war....nee nicht wirklich, hab mich fürchterlich darüber aufgeregt...aber okay, ich kann vielleicht auch noch nicht zuviel von meinen Mitmenschen erwarten.
Gegen 13 Uhr ging die Demonstration los. Hier ein paar Eindrücke von der Menge



430.000 am Tag

die Demonstranten von Morgen


Hühnerhüte waren der Trend der Veranstaltung





Wir waren präsent, wir waren laut und wir waren gut drauf :) hab selten so eine tolle, mitreißende Demonstration erlebt. Vielleicht lag es an den Menschenmengen, vielleicht an den vielen Gesängen, ich weiß es nicht. Aber dieses Ereignis werde ich mit Sicherheit so schnell nicht vergessen.
Nach ca. 1 Stunde erreichten wir den Schlachtbetrieb



Big Schlachthof is watching you
Mehrere Traktoren blockierten die Zufahrtsstraße, die Demonstranten dekorierten den drei Meter hohen Werkszaun mit Transparenten und bildeten eine Menschenkette um das Gelände. Es war einfach nur irre.







Auch diese Demonstration musste irgendwann leider zu Ende gehen und so zogen wir nach einiger Zeit wieder ab. Aber unsere Botschaften auf den Transparenten blieb noch etwas bestehen

Zum Abschluß sollte eine Feier auf dem Marktplatz stattfinden, an der ich leider nicht mehr teilgenommen habe. Zum Ende der Demo hatte ein fürchterlicher Platzregen eingesetzt und ich war bis auf die Unterwäsche durchtränkt. Um einer Lungenentzündung vorzubeugen, machte ich mich dann doch lieber in meinem beheizten Auto auf den Heimweg.
Tja, das war dieser wahnsinniger Tag und ich bin froh, dabei gewesen zu sein. Ich hätte wahrscheinlich noch viel viel mehr dazu geschrieben, aber ich finde für viele Situationen, die ich dort erlebt habe, Gespräche, Eindrücke gar keine Worte. Es war eine verdammt gute Aktion und ich war begeistert davon, wie viele Menschen sich für dieses Thema engagieren. Vielleicht ist für unsere Welt doch noch nicht alles verloren, wenn Menschen immer wieder dazu bereit sind, sich gegen Unrecht zu erheben. Wietze war ein glänzendes Beispiel dafür.

Noch eine kleine Geschichte am Rande:
Mein Held des Tages wurde ein ganz bestimmter Demonstrant, der trotz Behinderung diesen schweren Marsch auf sich nahm. Zuspruch bekam er von allen Seiten und er marschierte tapfer weiter. Ich bin froh, ein Andenken, an diesen ganz besonderen kleinen Kerl zu haben. In diesem Sinne wünsche ich euch Allen den weiteren Glauben an eine bessere Welt :)

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