Sonntag, 15. September 2013

Spontanes Familienkochen

Spontane Abende sind doch meist die schönsten - Freitag bin ich mal wieder zu meinen Eltern gefahren. Im Vorfeld bat meine Mutter mich, etwas zum Kochen raus zu suchen - dazu muss ich mal sagen, dass meine Mutter sich noch am ehesten aus meiner Familie bemüht, meine Gedankengänge nachzuvollziehen und sehr experimentierfreudig wird, was die vegane (hab heute in einem Forum mal wieder den Begriff "veganisch" gelesen, buäääuääuäuääuäuäuu) Küche angeht. Zudem ist sie ziemlich offen, was Disskusionen diesbezüglich angeht und mittlerweile hat sie merklich ihren Fleischkonsum reduziert (quasi von "Ich esse immer, zu jeder Mahlzeit Fleisch" - Mentalität zu "Mal ein fleischfreier Tag ist absolut sinnvoll"). Ihre Entwicklung findet sehr zum Leidwesen meines Stiefvaters statt; veganes Essen versucht er zu meiden (zumindest wenn er es identifizieren kann), probiert es auch nur ungern. Daher ist das gemeinsame Kochen echt ne spannende Angelegenheit.
Da ich momentan unheimlich unkreativ bin, was das Kochen angeht und auch wenig Lust auf Eigenkreationen habe, schnappe ich mir meist ein Kochbuch (hab ja genug davon) und koche nach Rezept. D.h. demnächst werden hier auch mehrere Kochbuchempfehlungen erscheinen ;)
So, also auf jeden Fall wieder zurück zu dem Abend. Ich hatte Zuhause bereits ein afrikanisches Rezept ausgesucht aus "The Lotus and the Artichoke", meine Mutter liebt Afrika, hat dort auch mal drei Monate ihres Lebens verbracht und ich dachte, das wäre eine gute Idee. Es sollte "marokkanisch gefüllten Kürbis geben. Also hab ich auf den Weg zu meinen Eltern noch eingekauft und kam dann nach knapp 2 Stunden auch in meinem Elternhaus an.
Mein Kochplan wurde mit "Oh, das klingt aber gut" von meiner Mutter und mit "tja, zur Not kann ich mir ja ein Leberwurstbrot machen" von meinem Stiefvater angenommen. Ca. 10 Minuten später stand mein Bruder (einer von insgesamt 5) vor der Tür *freu*. Meine Brüder sehe ich relativ selten, weil wir relativ weit auseinander wohnen (1 1/2 Autostunden) und alle viel am Arbeiten sind. Die Jungs leben alle in der Nähe von unseren Eltern (ich habs noch am weitesten weg geschafft), von daher hat mein Bruder die Gelegenheit genutzt, dass ich komme, und ist spontan vorbeigekommen. Mein Bruder hat umfassende vegane Kocherfahrung - er ist "Flexitarier" (ich glaub zumindest, dass das so heißt), d.h. er ist manchmal über einen längeren Zeitraum vegan, dann wechselt er aus Fleisch, dann vegetarisch, dann wieder vegan, Fleisch etc. Diese Art muss ich nicht verstehen, ich lasse ihn das so machen, wie er meint.
Oweh, schwafel ich heute etwas??? Na ja, mein Bruder hatte ein Besuchsgeschenk dabei, ein Schale gefüllt mit BigSteaks und Gewürzen. Wunderbar, also kochte ich Kürbis, mein Bruder briet Schnitzel und meine Mutter kochte Marmelade (HagebuttenEschenMarmelade). Dementsprechend flüchtete mein Stiefvater aus der Küche und kam auch erst zum Essen wieder.Und das wurde ein Essen - mir war fürchterlich schlecht danach, aber es war soooooooo lecker.

Selbst mein Stiefvater aß; er konnte sich zwar nicht so mit dem Kürbis anfreunden, sehr wohl aber mit der Füllung und die Schnitzel hat er geliebt.
Nach dem Essen kam der Sekt auf den Tisch und es entwickelte sich ein disskusionsfreudiger Abend - natürlich ging es um Tierrechte, nachhaltige Landwirtschaft, Tierversuche in der Kosmetik etc. also wurde der Abend auch seeehhhhhhrrrr lang. Aber ich bekam das erste Mal das Gefühl, dass meine Eltern mich doch wirklich zu verstehen suchen - selbst mein Stiefvater hörte aufmerksam zu und meinte abschließend "Ich werd weiter Fleisch essen, aber es wäre schön, wenn du mir zeigst, wo ich tierversuchsfreies Duschgel herkriege...das finde ich nicht in Ordnung." Hey, das ist immerhin ein Anfang :)
Es scheint immer normaler zu werden, dass ich als Veganerin zwischen meiner durch Landwirtschaft geprägten Familienmitgliedern lebe. Ich bin sehr stolz auf diesen ABend und hab ihn sehr genossen. Vielleicht ziehen die anderen Leute in meiner wirklich großen Familie (patchwork halt)auch irgendwann mal nach.
Wie ist das bei euch Zuhause, insbesondere bei Eltern, Geschwistern, Großeltern?

Kommentare:

  1. Bei uns wird das totgeschwiegen...
    Wenn ich dort bin, z.B. zum Kaffee trinken, bringe ich immer selbst Kuchen mit. Obwohl alle wissen, dass ich Veganerin bin, wird mir ihr Kuchen oder ihre Torte angeboten. Ich lehne höflich ab und stelle meinen Kuchen dazu. Biete meinen Kuchen auch an. Alle anderen (bis auf mein Mann) lehnen meinen ab.
    Fertig. Etwas traurig eigentlich...

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    1. Das ist ziemlich traurig, kenn das aber auch von meinem Vater - obwohl er immer behauptet, wenig Fleisch zu essen, gibt es und jedes Mal wenn ich komme, Gerichte mit fleischlichen Inhalt. Selbst in den Salat kommt dann Fisch, Fleischwurst o.Ä. Seitdem ich vegan lebe, ist der Fleischanteil geringer geworden, dafür mehr Sahne, Majonaise oder sowas...

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  2. Bei mir ist das alles total easy :) Meine Mutter kocht für mich vegan, wenn ich zu Hause bin, mein Vater macht das auch mit (hat allerdings ein Jahr bis zur Akzeptanz gedauert). Bei meinen Verwandten ist das auch kein Problem und meine Schwester ist selber Vegetarierin. Bei Feiern mache ich dann halt auch selber was (Kuchen, Salate), aber einfach um den Gastgeber zu entlasten. Das wird aber auch gegessen und probiert.
    Mein Freund, mit dem ich zusammen wohne, findet das gut, isst aber noch ein paar Milchprodukte. Stört mich allerdings nicht. Seine Eltern backen uns voll oft vegane Kuchen, bestellen Sachen bei veganen Versänden und probieren mega viel aus. Ich muss wirklich zugeben, dass ich da einen großen Glücksgriff gelandet habe ;)

    LG Federchen

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    1. Meine Mutter entwickelt sich auch in die Richtung, was total schön ist. Sie setzt sich ernsthaft mit dem Thema "Veganismus" auseinander, versucht, meine Motivation zu verstehen. Sie hat sich ein veganes Kochbuch gekauft und liest mittlerweile viele Artikel über Tierschutz, artgerechte Haltung und Veränderungen bzw. Forderungen in der Landwirtschaft. Sie betont zwar immer, dass sie kein Vegetarier wird, aber ich glaube, viel fehlt dazu nicht mehr ;)

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  3. Bei mir direkt Zuhause ist es so, dass mein Mann weiterhin Fleisch isst (nicht mehr soviel), er aber auch Vegan mit isst. Es gibt Dinge die ihm schmecken und andere wieder nicht. Er mag Seitan z.B. so gut wie gar nicht. Meine Tochter hat inzwischen wohl wirklich den Sprung zum ausdauernden Vegetarier geschafft, was mich sehr freut. Ich finde auch Kinder sollten wissen, wie das Fleisch/die Wurst hergestellt wird (und zwar den ganzen Prozess).

    Meine anderen Familienmitglieder akzeptieren es alle und insbesondere mein Vater findet das Thema sehr interessant. Er isst sehr gern Vegan mit und isst auch vegan, wenn er auf einem Stadtfest ist und es dort ein veganes Angebot gibt. Er kann sich allerdings nicht vorstellen, vegetarisch oder vegan zu leben. Das ist für mich auch alles vollkommen in Ordnung. Bin schon zufrieden, wenn man den Menschen das Thema ein wenig näher bringen kann :)

    Es gibt eher einige Bekannte (Freunde kann ich sie nun nicht mehr nennen), die da sehr aggressiv und intolerant reagieren. Das finde ich auch traurig.

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