Freitag, 18. Oktober 2013

Müsli in der großen Stadt - Teil 1 Frankfurt/Main

Ich komme vom Dorf. Bis auf meine zwei Lebensjahre in Oldenburg (ca. 160.000 Einwohner) und meinem jetzigen Wohnsitz (knapp 2600), habe ich nie in Ortschaften gelebt, mit mehr als 600 Einwohnern. Ich bin ein absolutes Dorfkind und ich liebe es.
Natürlich habe ich schon Kurztrips in Städte gemacht (Hamburg, München, Berlin etc.), jedoch dabei jedes Mal meine Ruhe vermisst, die Landschaft, die Natur. Hätte man mich vor einer Woche gefragt, ob ich in einer Stadt leben könnte, wäre die Antwort eindeutig "Nein" gewesen. Mein Urlaub hat diese Entscheidung sehr in´s schwanken gebracht, dazu aber später mehr.
Ich habe meinen ersten Urlaub seit meinem Auszug vor drei Monaten genutzt und Freunde besucht, die ich schon ewig nicht gesehen habe. Dadurch hatte ich das Vergnügen nach Frankfurt/Main und Köln zu reisen, quasi eine Reise quer durch den Westen Deutschlands. Die eine Stadt führte mir vor Augen, wie sehr ich Dorfkind bin und wie unwissend ich doch teilweise durchs Leben gehe, in die andere Stadt hab ich mich verliebt.
Um das ganze nicht zu sehr durcheinander zu bringen, versuche ich meine Tour chronologisch zusammen zu fassen.
Zudem ist meine Reise in zwei Blogeinträge unterteilt - ich schreibe gerne und ausführlich, dementsprechend sind beide Einträge relativ lang. Und vielleicht mangelt es den Einträgen auch teilweise an veganen oder homosexuellen Input - aber diejenigen, die regelmäßig meinem Blog folgen, wissen, dass ich manchmal auch einfach Erlebnisse berichte und Themen aufgreife, die mich beschäftigen. Mein Urlaub war voll mit vielen kleinen besonderen Ereignissen und ich möchte sie festhalten - es ist nicht schlimm, wenn nicht alles gelesen wird, aber es ist für mich wichtig, sie zu schreiben ;)

Freitag
Arbeit, nach Hause, Tasche und Hund in´s Auto, zu meinen Eltern fahren, Auto abstellen, tränenreich von Bosse verabschieden, von da aus zum Bahnhof - 17:10 Abfahrt. Umstieg in Hannover, fleißiges Winken an meinen Onkel und ne Freundin (die haben das bestimmt gesehen in ihren Wohnungen :)  ), Bioladen im Bahnhof ausgecheckt, alkoholfreie Biococktails gekauft und kleine Party im Zug gemacht ;)

Caipirinha - nicht unlecker, aber irgendwie hat der Alkohol gefehlt

Pina Colada - auch lecker...aber halt ohne Rum
Umstieg in Frankfurt/Main und von da aus mit der S-Bahn weiter. Da kam mein erster kleiner Kulturschock - es gibt tatsächlich echte Menschen, die sich so unterhalten "Da had de alte Fotze mit misch Schluß gemacht, Gehirnschiss ey." - "Voll die Schlampe,ey" - "Wenn isch die das nächste Mal seh, kriegt die Fresse, ey"...usw. Ich dachte, dass wäre ne Fernseherfindung, aber nein, solche Menschen sind Realität. Nach 20minütigem Lauschen, dieser doch sehr tiefsinnigen Unterhaltung, war ich dann endlich um 21:49 am Ziel. Zwar vollkommen erschöpft, aber total aufgedreht vor Wiedersehensfreude haben mein Freund und ich doch tatsächlich bin 3 Uhr gequatscht - kurze Nacht.

Samstag
Ab nach Frankfurt/Main - Stadt sehen. Wenn irgendjemand letzten Samstag eine total übermüdete Frau mit knallroten Haaren in Frankfurt gesehen hat, die mit einer kindlichen Begeisterung die Hochhäuser mit ihrem Handy geknipst hat, weiß er/sie jetzt, dass ich das war :) Frankfurt/Main, die Stadt der Börse und Banken hat beeindruckende Wolkenkratzer, solche Gebäude hab ich vorher noch nie gesehen





Auch meinen ersten "Äbbelwoi" hab ich getrunken - okay, muss ich nicht wieder haben, aber es war ne Erfahrung wert :)
Natürlich musste ich auch mal in´s "Veganz" - auf jeden Fall ein Besuch wert.
 Neben Produkten, die ich kenne und benutze und Produkten, die ich zumindest schon mal im Internet gesehen habe, gab es dort Sachen, die mir völlig fremd waren. Vürstchen im Schlafrock, Fertigkeksteig aus´m Kühlregal, "Käsepizza" etc. Ich hätte gerne so viel gekauft, was jedoch wenig Sinn machte, da ich ja nicht Zuhause war....aber für abends hab ich mir dann doch ein Schokoladeneis mit Erdnussbutterstücken auf der Basis von Kokosmilch gegönnt - Gaumenorgasmus inklusive ;)
Zu dem "Veganz" gehört auch ein kleines Bistro mit lauter leckeren Sachen, Mittagsgerichte, kleine Snacks, Kuchen, Kaffeespezialitäten, Pralinen etc. Die Speisekarte sprach für sich :)
Und ich hab mich soooooooo geärgert, dass ich unheimlich gut gefrühstückt hatte und so pappensatt war...leider nix probiert, wird aber bestimmt nachgeholt.
Abends hab ich meinen Freund zu einem Chorauftritt begleitet (er singt) - passt thematisch nicht so ganz, aber es ist mit trotzdem wichtig dieses Ereignis festzuhalten: Chormusik hat für mich immer etwas mit....wie soll ich das jetzt einigermaßen höflich ausdrücken....Altweiberkirchenchor zu tun...also etwas, was ich mir definitiv nicht ansehen würde. Ich bin aber sehr froh, dass ich diesen Auftritt begleitet habe - Gänsehaut pur!!! Chormusik hat einen wesentlich schlechteren Ruf, als es verdient. Tut euch den Gefallen und probiert es mal aus, geht mal zu einem modernen Chorauftritt - falls jemand mal den Film "Die Kinder des Monsieur Mathieu" gesehen hat, kann er sich vielleicht ein Bild davon machen, was ihn erwartet.
Auf jeden Fall ist dies eine Erfahrung, die ich mir erhalten möchte - nicht gleich urteilen, erst ausprobieren. Ich fürchte, dass ich bisher ne Menge in meinem Leben verpasst habe, da ich über manche Gegebenheiten zu schnell ein Urteil gefällt habe...
Dies Erlebnis sollte sich am nächsten Tag wiederholen aber auf ganz andere Art und Weise.

Sonntag
Es gibt nämlich ein Thema, bei dem ich sehr schnell mit meinem Urteil bin - Religion. Mir gibt Religion nicht viel, also eigentlich garnichts außer meinem Arbeitsplatz (kirchlicher Arbeitgeber). Ich empfinde sie als einschränkend und zu dogmatisch, überall auf der Welt sieht man Opfer von religiösem Fanatismus. Die gemäßigteren Gläubigen sind oftmals für mich "scheinheilig" - wie viele Menschen gehen regelmäßig in die Kirche? Und wie viele leben davon wirklich den Grundsatz "Liebe deinen nächsten, wie dich selbst"? Bevor ich noch zigtausend Sätze dazu schreibe, einfach die Feststellung "Religion-ohne mich" Ganz anders ist das bei meinem Freund, er ist sehr religiös und Mitglied in einer freien Gemeinde - ich mag ihn trotzdem :) . Natürlich war Sonntag Gottesdienst und vollgepumpt mit meinem "Versuch macht klug"-Feeling bin ich mitgegangen. Super Predigt, Thema "Erntedank" und damit natürlich auch "Nachhaltigkeit", "Bewusstsein unseres Konsums", "Dankbarkeit", selbst das Thema "Vegan" fiel kurz. Supi, genau mein Thema. Hat mir gut gefallen. Aber leider gab es ein anschließendes Gemeindeessen, bei dem jedes Mitglied etwas zu Essen mitgebracht hatte (für mich ne völlig fremde Angelegenheit) und dort kam sofort das Gefühl der "Scheinheiligkeit" zurück - es gab soooooo viel Fleisch!!! Ich will das nicht ausdisskutieren, für mich ist das dort ein extremes Leben, genau so wie andere mein Leben als extrem bezeichnen und dass daraus Unstimmigkeiten entstehen, ist verständlich. Ich hab diese Situation so genommen, wie sie war.
Trotzdem hab ich sehr freundliche Menschen kennen gelernt, die allesamt eine sehr große Zufriedenheit ausgestrahlt haben - manchen Menschen gibt halt Religion sehr viel.

Anschließend mussten mein Freund und ich unsere letzten gemeinsamen Stunden mit Schlaf verbringen - der war die Nächte zuvor eindeutig zu kurz gekommen.

Fazit zu meinem Kurztrip nach Frankfurt/Main: Beeindruckende Stadt, viel gesehen, gute Gespräche, viele neue Erfahrungen. Nicht erholsam (zu wenig Schlaf), aber seeeeehhhhhrrr interessant.

Abends ging es weiter nach Köln. Und damit beginnt der zweite Teil



1 Kommentar:

  1. Schöner Bericht. Und mit deiner Meinung über Religion bist du nicht alleine ;) Aber auch ich habe einen guten Bekannten aus der freien Gemeinde. Mit ihm habe ich vor einigen Jahren viel über Religion gesprochen, aber es ist einfach nicht meins.

    Liebe Grüße
    Federcen

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