Donnerstag, 27. Februar 2014

Rohkost Tag 19 -22 Es wird obstig und gesellschaftliche Grenzen

Moin,
ich habe nach einigen Recherchen meine Ernährung etwas abgewandelt. Ich bin davon ausgegangen, dass ich, um auch genug Kalorien zu mir zu nehmen, massenweise hochkalorische Lebensmittel, wie Avocado, Banane, Nüsse etc zu mir nehmen müsse. In meinem letzten Post habe ich daraufhin berichten müssen, dass sich mein Gewicht auch dementsprechend entwickelt. Wahrscheinlich lässt es sich nicht bis zu Ende klären, ob das an der falschen Ernährungszusammensetzung oder dem Rauchentzug liegt....Da ich jedoch nicht unbedingt weiter zunehmen möchte, bin ich auf mehr "Basics" umgestiegen, orientiert an der Ernährungspyramide entwickelt von der Bloggerin Sonja Watt (zum Blog gehts hier)
Das heißt, es gibt mittlerweile viel viel mehr Obst und weniger aufwendige Experimente. Klingt erstmal unspektakulär, ist es aber nicht. Ich könnte mich gerade reinsetzen in meine heißgeliebten Obstteller oder Smoothies oder "Eisbecher" (aus gefrorenen Obst). Besonders Mango´s haben es mir gerade angetan - passenderweise haben diese gerade Saison :)
Apfel, Mango, Birne, Ananas

Khaki und Birne mit Trockenobst und Nussmilch. Dazu Smoothie

Khaki, Kiwi, Birne, Mango

Mango, Birne, Kiwi, Banane, Feige und Gojis
So lässt es sich erstmal leben. Ich hoffe nur, dass diese Änderung auch etwas hilft...

Ansonsten beschäftige ich mich momentan viel um das Thema "Gesellschaftliche Grenzen". Warum? Liegt evt. daran, dass ich momentan zahlreiche Geburtstagseinladungen bekomme und vermehrt unterwegs bin. Vielleicht tritt dieses Thema auch einfach wieder mehr in mein Bewusstsein, weil ich während dieses Experimentes vermehrt mit Widerständen konfrontiert werde. Meine Umstellung zu veganen Lebensweise war schon....schwierig. Viele Freunde oder meine Familie haben diese Umstellung nicht verstanden und tun sich teilweise immer noch schwer damit. Jedoch hat sich das Miteinander mittlerweile eingespielt. Meine Freunde bereiten mir stolz vegane Gerichte vor oder ich bringe was zu Essen mit. Bei meiner Familie läuft das ähnlich. Mal abgesehen von einzeln auftretenen Diskussionen über Tierrechte, Tierhaltung, Jagd etc. kann ich mittlerweile gut in meinem fleischessenden Umfeld leben. Liegt evt. daran, dass die meisten Menschen mittlerweile feststellen durften, dass veganes Essen sehr lecker ist und ich nach 1 1/2 Jahren nicht zu einem blassen, untergewichtigen Zombie verkommen bin.
Bei der jetzigen rohköstlichen Ernährung häufen sich jedoch wieder die Diskussionen "Das ist aber jetzt wirklich nicht mehr gesund" "Wird dir das nicht zu langweilig?" "Das ist jetzt aber wirklich zu hardcore, vegan war ja schon krass" "Wie gut, dass du das nicht auf Dauer machst". Dazu kommt mir schnell die Erkenntnis, dass viele Unternehmungen, wie z.B. Restaurantbesuche, Partys etc. erneutes Umdenken meinerseits und andererseits benötigen. Von der Geburtstagsfeier meines Freundes habe ich bereits berichtet, da wurde besonders das Essen für mich problematisch, hatte doch mein Freund extra vegane Speisen für mich zubereitet, die nur leider nicht rohköstlich waren. Morgen steht der 30. Geburtstag meines Bruders an - ohne Alkohol??? Ich denke noch darüber nach, ob ich morgen Alkohol trinken werde. Natürlich ist der Alkoholverzicht kein riesen Problem für mich... aber irgendwie gehört für mich als absolutes Dorfkind Bier zu solchen Veranstaltungen dazu....
Es klingt vielleicht albern, aber für die meisten meiner Freunde ist der Alkoholverzicht unverständlicher, als dass ist Veganerin bin. Alkohol ist ein fester Bestandteil im dörflichen Leben. Besucht man einen Bekannten, wird oftmals Bier statt Kaffee angeboten. Sportevents entwickeln sich zu regelrechten Saufgelagen. Alkoholismus ist besonders auf kleineren Dörfern nichts ungewöhnliches und wird toleriert. Jemand, der bewusst auf Alkohol verzichtet, wird als Sonderling abgetan (es sei denn, er ist tatsächlich wegen Alkoholsucht in Behandlung). Versteht mich nicht falsch, ich oute mich jetzt nicht als Alkoholiker; es ist nur Tatsache, dass ich in einem stark von Alkohol geprägtem Umfeld groß geworden bin, gerne Bier und auch Schnaps trinke und sehr ungerne bei Feiern auf Alkohol verzichte. Der gesundheitliche Aspekt ist da für mich absolut nebensächlich. Den Verzicht auf Alkohol nehme ich auch reell als "Verzicht" war, ebenso wie mein Umfeld.
Vielleicht ist auch mein Dorfleben Schuld an diesen Grenzen. Als Veganer war es schon schwer, Akzeptanz vom Umfeld zu erhalten. Als Rohköstler ist das nahezu unmöglich. Ich weiß nicht, wie andere Rohköstler das machen. Vielleicht sind diese dauerhaft mit anderen Rohköstlern in Kontakt oder leben in einem anderen Umfeld.....Mein jetziges Umfeld gibt diese Akzeptanz nicht her und ich möchte  mein Umfeld auch nicht ändern. Ich mag mein Leben so wie es ist, auch wenn dauerhafte Rohkost da nicht rein passt. Dann lebe ich lieber ein bisschen weniger gesund und lang, darf aber nach wie vor mein heißgeliebtes Weizen trinken - wer will denn auch schon 150 Jahre alt werden ohne Bier?...ich jedenfalls nicht ;)



Kommentare:

  1. ;-D! Ich musste herzlich lachen, als ich Deinen Bericht las - danke!

    "Lieber ein öffentlicher Trinker, als ein anonymer Mitläufer", hiess es damals bei uns oder "Ich brauche keinen Alkohol, um lustig zu sein, aber heute gehe ich auf Nummer sicher" - Ich bin auch auf dem Land aufgewachsen, was Du beschreibst, ist mir somit vertraut....

    Ja, Essen ist nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern hat, wie Alkohol auch gesellschaftliche Aspekte. Das Umfeldthema ist nicht in der Tat nicht ohne.

    Mein Hefe Weizen darf mir keiner nehmen und es ist auch ernährungsphysiologisch wichtig, sagt meine Freundin Eva: wegen der guten B-Vitamine =))

    stay tuned

    Michaela

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  2. Hehe, ja ich musste auch lachen. Bin ja auch auf dem Dorf groß geworden und da gehörte der erste Alkohol schon zur Konfirmationsfeier dazu. Dann gings los mit Bier auf jedem Schützenfest. Ja ich gebe zu dass Alkohol für mich zu Feiern immer dazu gehört, ich kann es mir nicht ohne vorstellen. Am Wochenende zu Hause dann gerne mal ein Glas Wein, ganz besinnlich.

    Zum Essen:
    Wenn man ein ewiger Rohköstler ist, stell ich mir das im Alltag wirklich schwierig vor, zumindestens dann, wenn man Essen geht oder eingeladen ist.
    Man kann ja schon froh sein, wenn es irgendwie eine vegane Alternative gibt. Rohkost muss mich sich dann wohl überall hin selbst mitbringen um nicht komplett aufs Essen zu verzichten...

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