Mittwoch, 30. April 2014

Allein und betrunken unter Fleischesser in Köln

Meine Urlaube sehen normalerweise wie folgt aus:
Ich besuche Freunde in irgendwelchen Großstädten quer in Deutschland und nutze die Gelegenheiten, um irgendwelche veganen Lokalitäten auszukundschaften. Das hat den Vorteil, dass ich neben dem schönen Wiedersehen so jede Menge tolle Dinge essen kann und meine Freunde wenig in die Schwierigkeit geraten, mich vegan beköstigen zu müssen. (siehe auch unter der Rubrik Rezepte Essen außer Haus)

Letztes Wochenende war ich in anderer Mission urlauben. Die Völkerballmannschaft meiner alten Heimat feierte 35jähriges Bestehen und anlässlich dieses Jubiläums reisten wir gemeinschaftlich in meine Lieblingsstadt Köln. 
An diesem Wochenende habe ich das erste Mal in meinem Leben, ausgelöst durch den Urinstinkt Hunger, bereut, Veganerin zu sein.
Ich versuche diese Reise mal protokollarisch festzuhalten.

Freitag
6 Uhr aufgestanden. Da ich die Tage vorher viel gearbeitet habe und mit der Gründungsveranstaltung der BI-ko-La beschäftigt war, muss ich noch meine Reisetasche packen und etwas Ordnung in meiner Wohnung schaffen. Frühstück: Müsli mit Obst
8 Uhr Abfahrt mit dem Bus Richtung Oldenburger Bahnhof
8:30 Uhr Ankunft am Bahnhof - KAFFEE!!!
9 Uhr Treffen mit den anderen Damen, Verteilen des Begrüßungsschnaps
10 Uhr Abfahrt mit dem Bus, zweiter Schnaps (irgendwas Selbstgemixtes) + erstes Bier
12:30 Zwischenstopp in Münster. Zu den mittlerweile drei Schnaps, zwei Bier und einem Sekt gesellt sich selbstgemixte Bowle im Park
13 Uhr Müsli ist angetrunken, es ist Zeit für Mittag. Aufgrund von Zeitmangel habe ich mir lediglich ne riesen Obstschale fertig gemacht. Die übrigen Damen verzehren belegte Brötchen und Süßigkeiten.
Anschließend noch mehr Schnaps

16 Uhr Ankunft in Köln, Weiterreise ins Hotel, 20 Minuten Zeit, anschließend per S-Bahn in die Stadt. Kurzes Bummeln, danach in ein Restaurant mit dem rustikalen Namen "Peters Brauhaus" (die Verlinkungen zu den Restaurant spar ich mir, da diese nicht sonderlich veganerfreundlich sind).
Kölsch trinken ist angesagt, es gibt auch leider kein anderes Bier....vier Kölsch später rebelliert mein Magen, er benötigt etwas nahrhaftes.
Kurze Info vorweg: Natürlich hatte ich in Anbetracht der Restaurantreservierungen vorher in den anstehenden Lokalitäten angerufen und meine vegane Kost angemeldet.
19 Uhr Essen - der Kellner kann sich an meinen Anruf erinnern und serviert mir voller Stolz SALAT
Neben mir türmen sich Schnitzel, Flammkuchen, Haxen etc. Ich bereue so langsam meine Tour mit Fleischessern. Von meinen Mädels ernte ich mitleidige Blicke, die Leichen auf deren Tellern ernten mitleidige Blicke von mir.
22 Uhr Rückkehr ins Hotel. Bin zwar total übermüdet aber auch total ausgehungert. Der Zimmerservice bietet nic veganes um die Uhrzeit, also bestelle ich mir ein leicht sättigendes Weizenbier, gehe danach vollkommen erschöpft ins Bett und träume von Frühstück.

Samstag
8 Uhr der Hunger treibt mich raus. Duschen und dann ab zum Buffet. Zum Glück erweist sich das Frühstück als einigermaßen tauglich für vegane Kost. Berge an Obst, passende Margarine, Brötchen, Marmelade, Smoothie, riesen Müsliauswahl  und tatsächlich Sojakakao. Ich teste sogar die gebackenen Bohnen, zwar kein typisches Frühstück für mich, aber der Hunger lässt mich alles verschlingen.  
10 Uhr Wanderung Richtung Innenstadt.
11 Uhr zweites Frühstück, welches mir ziemlich auf den Magen schlägt
12:30 Dombesichtigung - ich erstarre jedes Mal wieder vor Ehrfurcht bei diesem unglaublichen Gebäude. Es beschleicht mich erneut dieses Gefühl, dass Köln irgendwann meine Heimat wird.
14 Uhr unter Freunden. Während die anderen Damen sich in ein Cafe verkrümeln, stoße ich auf einen offensichtlich veganen Markt (Thema Tierversuche) - ich bin im Himmel, endlich wieder Menschen um mich, die mich verstehen. Treffe sogar bekannte Gesichter wieder, war ich doch eine Woche zuvor bereits in Köln um am Ostersonntag zum Thema "Die Kirche hat die Tiere vergessen" vor dem Dom zu demonstrieren.
14:30 mir wurde Kölsch mitbestellt....das Bier wird nicht leckerer, je öfter man es trinkt.
15 Uhr Schokoladenmuseum (kenn ich schon) Im Shop ein Mitbringsel für meine Eltern besorgen als Dankeschön fürs Hundehüten: vegane-bio-fairtrade-Schokolade mit Blütenblättern und Erdbeerscheiben (leider kein Foto) und Schokobier. Vom Letzteren nehme ich mir auch eine Flasche mit und stelle schnell fest, dass das Zeug nicht nach Schokolade schmeckt :(

Anschließend ins dortige Cafe. Die Damen bestellen Schokotorte, ich finde nix Passendes auf der Karte. Es gibt wieder Kölsch...
17 Uhr Müsli flieht vor der großen Shoppingtour zu ihrer kölschen Freundin. Bis zum zweiten Restaurantbesuch ist zwar nicht viel Zeit, aber besser einen kurzen, als gar keinen Besuch abstatten.
19 Uhr natürlich komme ich viel zu spät und mal wieder völlig ausgehungert in dem Restaurant mit dem vielversprechenden (*ironieoff*) Namen "Haxenhaus" an. Ein Blick auf die Karte lässt mich schon kurz Zeit hoffen, etwas nahrhaftes zu erhalten "Teigfladen mit gegrilltem Gemüse". Leider offenbart mir der Kellner, dass Eier in dem Teig seien und sie mir nur SALAT anbieten können. Ich besttelle mir eine riesen Portion Brot dazu und bereue es, auf dem veganen Markt nix gegessen zu haben. 

 21 Uhr Weizen trinken, das sättigt wenigstens etwas. Anschließend in ne Discothek. Nach einem Cocktail ist dann meine Schmerzgrenze erreicht, ich laufe betrunken durch Köln, aber unheimlich gut gelaunt. 
1:30 die übrigen Damen wollen unbedingt nen Kaffee für den Rückweg und kehren bei McDonalds ein. Ich nutze die Gelegenheit, um den Laden samt Kunden und Personal zu beschimpfen (leicht alkoholverschuldeter Aggressionsausbruch)
2:30 hungrig und betrunken ins Bett, träume von Rührtofu

Sonntag
8 Uhr Wecker klingelt, torkele aus dem Bett und geh duschen.
9 Uhr Frühstück wie gestern. Magenkrämpfe vom Alkohol breiten sich aus. Zwinge mir ein Brötchen und etwas Müsli rein. Klaue Sojakakao als Wegzerrung vom Buffet, wohl wissend, dass die Magenkrämpfe irgendwann weg sein werden und quälendem Hunger weichen werden. 
Anschließendes Zimmerräumen und Reise zum Bahnhof. Taschen einquartieren und weiter in die Stadt.
11 Uhr Stadtrundfahrt mit Kölsch und Schnaps. Wo die Frauen alle diese Miniflaschen vorkramen ist mir ein Rätsel. Ich boykottiere den weiteren Alkoholkonsum. 
14 Uhr Einkehr in ein Cafe zum Kuchen essen. Ich habe Hunger, leider steht wieder nix für mich auf der Karte. Ich drängel die Gesellschaft, dass wir doch dringend wieder zum Bahnhof sollten und denke sehnsüchtig an ne Kamps-Bäckerei und das Bahnhofsreformhaus Betterlife
15:30 ich kann mich nicht vor dem Rest Bowle drücken, trotz eines Bechers springen bei mir wieder sämtliche Lampen an.
16 Uhr Ankunft am Bahnhof, ich rase durch den Bahnhof und bin auch erst nach einer Spinattasche, einem Muffin, einem Spacebarriegel (von Betterlife) und einem Franzbrötchen (von Kamps) einigermaßen befriedigt. Wegzerrung darf nicht fehlen, also noch zwei weitere Spacebarriegel und zwei Korneck (von Kamps) mit in die Tasche. Zusätzliche Leselektüre besorgt

17 Uhr Abfahrt aus Köln mit dem Bus. Zeitvertreib mit Schlafen und Lesen
22:40 Ankunft in Oldenburg
23:10 Ankunft zu Hause. Erkenntnis des Tages: Man sollte sich nach so einem Wochenende noch einen Tag Urlaub nehmen. Blöd, wenn man, so wie ich, am nächsten Tag um 6 Uhr aufstehen muss :(

Vielleicht bemerkt ihr schnell, dass es alles andere als leicht ist, mit einer reinen Fleischessertruppe unterwegs zu sein, geschweige denn, mit einer Gruppe, die den Umstand, dass manche Menschen sich anders ernähren, nicht bedenken (siehe Restaurantauswahl). Dazu kommt der Umstand, dass es nahezu unmöglich ist, in den typischen Touristengegenden etwas brauchbares veganes zu essen zu bekommen. Das sollte sich wirklich nochmal ändern.
Na ja, ich hab das Wochenende überlebt, auch wenn ich noch weitere zwei Tage mit den Nachwirkungen von Schlafentzug und Alkoholüberfluss zu kämpfen hatte. Das positive an diesem Urlaub war, dass ich doch tatsächlich drei Tage nicht an meine neue Arbeit, Demos, Bürgerinitiative etc. gedacht habe und richtig gut abschalten konnte. Wahrscheinlich hatte mein Kopf vor lauter Hunger einfach keine Ressourcen für andere Gedanken mehr *grins*
Zum Abschluss muss ich festhalten, dass  zum Glück die nächste Fahrt erst wieder in fünf Jahren statt findet ;)

Kennt ihr auch solche Wochenenden an dem die Essensversorgung eine Katastrophe ist?

Samstag, 19. April 2014

Bosse erzählt: La dolce vita

Huhu ich bin´s wieder. Falls ihr vergessen haben solltet, wer ich bin, hier ein paar kleine Hinweise:
1. Ich bin süß
2. Ich bin kuschelig
3. Ich bin mir 1. und 2. bewusst und weiß dies schamlos einzusetzen 
4. Ich werde liebevoll von meinem Frauchen "Riesenbaby" genannt
5. Ich hab ihr schon mal meinen Senf hinterlassen - siehe auch Bosse erzählt...

Da mein Frauchen immer so viel zu tun hat, hab ich mir gedacht, ich berichte mal den Stand der Dinge. Also bitte ich mal wieder um volle Aufmerksamkeit, schaut nicht nebenbei in den Fernseher, geschweige denn, unterhaltet euch oder tut sonst irgend etwas, was euch von mir ablenken könntet. Ich bin jetzt hier und ich bin wichtig!!!
AAAAAALLLLLLLLLSSSSSSSOOOOOOOO:
So ziemlich genau vor einem Jahr sah mein Leben noch ganz anders aus. Ich hab auf einem total schönen Hof gelebt, die Sonne genossen, Nachbars Müllsäcke ausgiebig inspiziert, mit den Katzen gekuschelt, den Garten umgegraben und auf meine drei Frauchen aufgepasst. Mein liebstes Frauchen spricht momentan häufiger davon, dass ihr erster "Hochzeitstag" bevor steht und sieht dabei immer etwas traurig aus. Ich bin mir nicht ganz sicher, was das bedeutet, aber ich glaube, die anderen beiden Frauchen fehlen ihr manchmal. Aber wenn sie davon spricht, bin ich lieber immer ganz friedlich und kuschel sie ein bisschen. Dann geht es ihr auch immer besser, ich bin halt ein guter Tröster.
Die letzten Monate habe ich mit Frauchen alleine gewohnt und das war nicht immer so einfach. Frauchen war viel weg, meist wegen der Arbeit aber auch oft weil sie meinte für irgend welche Tiere auf die Straße gehen zu müssen. Letzteres hab ich nie so genau begriffen.....Frauchen hat immer Pappschilder dabei oder verkleidet sich wie ein Tier und "geht dann auf die Straße". Was sie dann da tut, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich nie mit darf und das finde ich total blöd. Angeblich wäre es auf der "Straße" zu laut, dabei bin ich oft auf der Straße spazieren und so laut finde ich es da immer nicht.....na ja, wenn sie es für die Tiere tut, finde ich das ja wieder gut, da ich ja selber ein Tier bin, ergo sie geht auch für mich auf die Straße. Trotzdem wäre es mir lieber, wenn sie mit mir auf die Straße gehen würde. Wenn sie zu Hause war, war sie oft an diesem komischen Tastending, an dem ich jetzt bin, und schrieb und schrieb und schrieb. Da durfte ich nicht wirklich stören...also insgesamt hatte Frauchen sehr wenig Zeit für mich, was mich schon etwas traurig gemacht hat - manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie nicht gerne alleine mit mir zu Hause war...
Seit ein paar Wochen jedoch ist alles anders. Ich habe eine Spielpartnerin *schwanzwedelfreu* Jedes Wochenende kommt eine Frau hier her und spielt ganz viel mit mir, geht mit mir spazieren und versucht erfolglos ein Frauchen zu werden. Ich mag Pratch (Name der Frau) und was noch viel besser ist, Frauchen mag sie auch. Das find ich super, weil Pratch dadurch häufiger zum Spielen kommen kann. Zwar meint Frauchen zwischen zeitig, dass Pratch auch sie besuchen würde und ich sie nicht die ganze Zeit Pratch beanspruchen solle, aber das diskutieren wir noch aus. Wenn Frauchen und Pratch alleine sein wollen, finde ich das gar nicht so witzig....die machen dann immer so komische Sachen mit ihren Gesichtern und da soll ich nicht stören. Dabei übe ich schon ganz fleißig dieses "Geschlabbere", aber bisher wollte das keine von den beiden mit mir machen :(
Frauchen hat sich sehr verändert, seitdem Pratch regelmäßig kommt: sie lacht mehr, bleibt öfters zu Hause und kuschelt auch wieder mehr mit mir. Frauchen sitzt auch nicht mehr so viel an dem Tastending sondern verbringt ihre Zeit viel mit mir im Garten oder mit mir und Pratch.
Was Pratch so toll macht:
1. Sie spielt viel mit mir
2. Sie kann sich nicht gegen mich durchsetzen ;)
3. Wenn Frauchen kocht, kuschelt sie die ganze Zeit mit mir
4. Sie mag Frauchen und versucht sich in unserem chaotischen Leben zurecht zu finden. Sie hat z.B. aufgehört Fleisch zu essen und war jetzt schon ein paar mal mit Frauchen zusammen "auf der Straße".

Alles in Allem ist mein Leben wieder richtig super, seit dem Pratch da ist. Vor allem, weil es Frauchen besser geht. Wenn Frauchen glücklich ist, bin ich es auch. Und wer weiß, vielleicht bleibt Pratch ja auch, dann kann sie auch unter der Woche ganz viel mit mir spielen :)
So, jetzt genieße ich noch etwas die Sonne. Frauchen war gestern und heute hier und hat ganz viel im Garten gebuddelt und ich hab ihr fleißig geholfen. Warum ihre Löcher jedoch richtig sind und ich für meine Löcher immer Ärger bekomme, verstehe ich nicht. Egal, hauptsache Sonne, Garten, mein Frauchen - das Leben ist schön :)

Dienstag, 8. April 2014

BI-ko-La - Eine BürgerInneninitiative gegen Agrarindustrie

Was verbirgt sich hinter BI-ko-La? Ganz einfach: Das Projekt, was momentan nahezu meine komplette Freizeit auffrisst.
BI-ko-La ist die Abkürzung für BürgerInneninitiative kooperierender Landkreise. Diese Initiative befindet sich zur Zeit noch in der Entstehung, am 24.04. findet die offizielle Gründungsveranstaltung statt.
Die Initiative umfasst die Landkreise Oldenburg, Cloppenburg, Vechta und Emsland in Niedersachsen und richtet sich gegen die Agrarindustrie und deren Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt. Die Themen reichen von Tierschutz, Schutz des Wassers über dem Schutz vor MRSA-Keimen, Verhinderung von Menschenausbeutung in der Fleischproduktionsindustrie etc. Vorrangig geht es um die Verhinderung des Baus von weiteren Mastställen und Schlachtanlagen.
Wer diesem Blog bereits länger folgt, kann sich zusammen reimen, dass diese Bürgerinitiative ihre Wurzeln in unserem Bürgerprotest gegen die Schlachtanlage in Ahlhorn hat (siehe Zusammenfassung hier).
Meine Energien stecken momentan in der Öffentlichkeitsarbeit, Verteilung von Handzetteln in den Landkreisen, Planung der Gründungsveranstaltung, Verwaltung eines E-Mail-Verteilers und dem Erstellen einer Homepage für die Initiative (wer sich für das Thema interessiert, findet mehr Informationen unter www.bikola.de).

Wieso investiere ich mich in der BürgerInneninitiative?
Normalerweise ist mein Anliegen die Verhinderung von Tierausbeutung in sämtlichen Formen. Ich gehe auf verschiedene Demonstrationen, führe Diskussionen im Internet und privatem Umfeld, versuche die Idee der veganen Lebensweise zu verbreiten. Ich zähle mich zu den Tierrechtlern, nicht unbedingt zu den Tierschützern (und da gibt es sehr wohl Unterscheidungen).
Diese Initiative hat herzlich wenig mit Veganismus oder Tierrechten zu tun. Es geht um die Agrarindustrie, um die Auswüchse der Massentierhaltung, Keimbelastungen für den Menschen, Verseuchung des Grundwassers durch übermäßige Gülleausfuhr etc. Die Initiative fordert die Unterstützung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, nicht den Fleischverzicht.
Entgegen meiner eigentlichen Überzeugungen, diskutiere ich momentan über Verbesserungen der Tierhaltung in der Landwirtschaft. Wieso eigentlich?
Ich lebe im ländlichen Raum, bin umgeben von Mastanlagen und landwirtschaftlichen Betrieben. Viele der Menschen, die hier leben, verdienen ihren Unterhalt in irgendeiner Form im landwirtschaftlichen Sektor oder in der Fleischproduktion. Als Vegetarier fällt man hier bereits auf, als Veganer zählt man eher zu den "durchgeknallten Spinnern". Wie realistisch ist es, in dieser Umgebung die Menschen für Tierrechte zu begeistern? Ganz ehrlich - die Chancen stehen schlecht. Niemand will sich hier "sein Fleisch verbieten lassen", geschweige denn, die Rechte von Tieren anerkennen.
Allerdings bekommen die Anwohner hier sehr wohl die negativen Auswirkungen der Agrarindustrie mit. Die zahlreichen abgezäunten Mastanlagen, die riesen Schlachtbetriebe, die Mengen an ausgefahrener Gülle, die wachsende Zahl von Maisanpflanzungen etc. lassen sich hier von niemandem weg ignorieren.
Was bringt der Kampf gegen die Agrarindustrie? Dieser "Kampf" findet auf mehreren Ebenen statt.
1. Die Politik - die Politik schafft die Rahmenrichtlinien in denen sich Industrie und auch Landwirte zu bewegen haben. Sei es über Subventionen, Kennzeichnung auf Lebensmitteln, Mindestlöhne in der Fleischindustrie, Tierschutzgesetze etc. es gibt vielfältige Möglichkeiten, das bestehende System zum Positiven zu verändern. Leider folgt unser politisches System stark den wirtschaftlichen Interessen und weniger dem Gemeinwohl der Bevölkerung....es gilt aufzustehen und die Stimme zu erheben.Wir leben in einer Demokratie, d.h. wenn die Bürger eine Veränderung wollen, sind sie sehr wohl in der Lage, diese herbei zu führen.
2. Die Industrie - in der Industrie geht es um Geld, Geld und noch mehr Geld. Darunter leiden im Endeffekt die Menschen, Tiere und Umwelt. Die Auswirkungen der wachsenden Agrarindustrie werde ich jetzt nicht genau im einzelnen beleuchten, letztlich gibt es darüber genug Informationen.
Was kann man gegen dieses System unternehmen? Ganz einfach: KAUFT DEN MIST NICHT MEHR!!! Kein Billigfleisch, allgemein keine Billigprodukte. Informiert euch darüber, wo ihr eure Lebensmittel her bekommt. Unterstützt regionale Landwirtschaft, kauft Bioprodukte. Dieses Thema führt auch gleich zum nächsten Punkt.
3. Der Konsument - das große Thema Aufklärung. Die Industrie ist raffiniert, was die Täuschung des Konsumenten angeht. Tolle Sonderangebote in bunten Verpackungen locken. Zutatenlisten gleichen medizinischen Handbüchern, über Produktionsprozesse gibt es nur schwer Informationen.
Für viele scheint es zu kompliziert, unser Lebensmittelsystem zu hinterfragen. Von da her werden sämtliche Themen diesbezüglich gerne ignoriert. Besonders jetzt, wo die Sonne draußen scheint und das Grillfleisch wieder im Angebot ist....
Die Aufklärung sollte da hin führen, dass wir Konsumenten endlich die Notwendigkeit anerkennen, für unsere Lebensmittel einen angemessen Preis zu zahlen. Wenn wir weg von der Massenproduktion wollen, die gleichbedeutend mit Massentierhaltung, Verwendung von Medikamenten, Spritzmitteln, Gentechnik etc. ist, müssen wir den Landwirten die Möglichkeit geben, auch mit kleineren Produktionsraten ihr Auskommen zu finden.
4. Die Landwirtschaft - ich habe vor einigen Monaten schon mal eine Lanze für die Landwirte gebrochen (siehe hier). Seitdem habe ich mich immer mehr mit diesem Thema auseinander gesetzt und habe meine Meinung etwas geändert. Ich habe immer noch großen Respekt vor einigen Landwirten, die sich gegen die Agrarindustrie wehren. Allerdings ist deren Zahl verschwindend gering. Vielleicht, weil immer mehr Landwirte unter dem allgemeinen Druck aus Politik, Industrie und Bevölkerung zusammen brechen.....
Die Lösung findet sich nicht darin, den Landwirten die Schuld zu geben. Ich baue eher auf Kommunikation, um gemeinsam Lösungen zu finden. Landwirte sind keine Teufel, sie produzieren unsere Lebensmittel und folgen letztlich den Marktansprüchen. Veränderungen werden nicht gegen die Landwirte bewirkt, sondern nur mit den Landwirten.

Puh, jetzt hab ich mir nen Krampf geschrieben. Worum geht es mir letztlich? Ich kann nicht von heute auf morgen den Fleischkonsum oder Tierausbeutung beenden. Aber ich kann für die Verbesserung des Systems einstehen. Ich erreiche wesentlich mehr Menschen, wenn ich für einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln plädiere, als wenn ich den absoluten Verzicht tierischer Produkte fordere.
Vielleicht ist das nicht für jeden nachvollziehbar, warum ich so agiere. Natürlich setze ich mich weiterhin für Tierrechte und die vegane Lebensweise ein. Die Ausbeutung von Lebewesen, die Verdinglichung von Tieren und die Nicht-Anerkennung derer Rechte ist und bleibt einfach falsch und gehört bekämpft. Allerdings wird die Verbesserung der Tierhaltung in der Landwirtschaft, quasi als Zwischenstufe zur Beendigung der Ausbeutung, in nächster Zeit wesentlich mehr meine Aufmerksamkeit fordern.

Danke für eure Aufmerksamkeit zu diesem Thema :)

Montag, 7. April 2014

Abschied mit Torte und veganem Grillen

Es passieren momentan wieder so viele Dinge gleichzeitig. Warum hat der Tag eigentlich nur 24 Stunden (ich weiß, das frage ich öfters).
Es gibt momentan so viele Themen, die in meinem Kopf rum geistern. Alles Themen aus unterschiedlichen Lebensbereichen und doch allesamt bedeutend.
Da es den Rahmen eines einzigen Blogartikels sprengen würde, nutze ich jetzt meine freien Tage, um nach und nach von Allem zu berichten
Vielleicht fange ich mit einem Ereignis an, was mich jetzt lange beschäftigt hat (Abschiede sind immer schwer *schnief*) und bei dem ich ein paar Küchenwerke vollrichten konnte ;)
Ich wechsel gerade meine Arbeit, Freitag hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Nach 8 1/2 Jahren dort, war das schon ein schmerzhafter Abschied von Kollegen und den Menschen, die ich die ganze Zeit betreuen durfte. Bevor ich jedoch jetzt zu sentimental werde, folgen hier ein paar Rezepte.
Zur Verabschiedung habe ich letzte Woche ein paar "Kleinigkeit" ausgegeben. Für die Kollegen gab es Oreo-Torte und für die eher herzhaften Esser unter ihnen "Mettbrötchen"

Oreo-Torte
das Rezept hab ich aus einer FB-Gruppe und thermomixtauglich gemacht

 Heller teig:

200g Mehl
100g Zucker
10g Vanillezucker
0,5- 1pk Backpulver
Füllung von 4 Oreokeksen
Schuss Zitronensaft
Prise Salz
20g Agavendicksaft (oder irgendeinen Sirup)
200ml Wasser
50ml Sonnenblumenöl

 
Dunkler Teig:

400g Mehl
200g Zucker
20g Vanillezucker
50g Kakaopulver
Die Kekse der 4 Oreos ohne Füllung
Schuss Zitronensaft
1- 1,5 Pk Backpulver
40g Agavendicksaft
400 ml Wasser
100ml Sonnenblumenöl

Sahne:

2 Packungen kalte Soyatoo (egal welcher Geschmack)
Oreokekse (für die Sahne hab ich ca. 12 Kekse verwendet + die Creme von 8 weiteren Keksen - die übrigen Keksscheiben für Verzierung zur Seite legen)
2 Packungen Sahnesteif 


Die Zutaten für den hellen Teig in TM füllen und 4Min/Teigstufe verkneten. Bei 160-170 Grad Umluft (175-185 Grad Ober- und Unterhitze) für circa 20 Minuten backen.
Kuchen abkühlen lassen und aus der Form holen.
Zutaten für den Schokoteig in TM nochmal 4Min/Teigstufe verkneten und bei 170 Grad Umluft (185 Grad Ober- und Unterhitze) für circa 40-45 Minuten backen.
Teig abkühlen lassen und in 2 Böden schneiden.

Die 12 Oreokekse+den Inhalt von 8 weiteren Keksen im TM 15Sek/Stufe 6 zerkleinern und umfüllen.  
Rühraufsatz in den Mixtopf setzen. Soyatoo zusammen mit dem Sahnesteif in den TM füllen und solange bei Stufe 3 rühren, bis die Sahne fest ist.  Oreobrösel dazu geben und kurz verrühren.
Dunklen Boden auf einen Teller geben (oder etwas anderes), mit Soyatoo bestreichen, hellen Boden darauf geben, mit Soyatoo bestreichen und wieder einen dunklen Boden darauflegen. Kuchen von Oben und den Seiten mit Soyatoo bestreichen und glatt streichen.
Den Rand der Torte mit den Keksen ohne Füllung verzieren.
Oben den Kuchen mit halbierten Keksen verzieren.

yamyam lecker :)

Mettbrötchen
1/2 Pk. Reiswaffeln
3 El Tomatenmark
1/2 Tl Paprikapulver
1Tl Salz, 1/2 Tl Pfeffer
1 kl. Zwiebel

Reiswaffeln kurz in heißem Wasser einweichen lassen, anschließend ausdrücken. Zwiebel in TM geben und 5Sek/Stufe 5 zerkleinern. Reiswaffel und übrige Zutaten hinzu geben und kurz verrühren (10Sek/Stufe 2-3). Einige Stunden durchziehen lassen
 
  
Zur Abschiedsfeier am Freitag haben wir gegrillt und da es MEIN Abschied war, hab ich auf ein veganes Grillen bestanden - man glaubt es kaum, es hat allen geschmeckt ;)
Es gab bergeweise Weenies von Wheaty, Kartoffel- und Nudelsalat (Rezepte siehe hier) und welteinfachsten Bohnensalat. Das gute an den Salatrezepten war, dass diese auch problemlos zusammen mit den geistig behinderten Menschen, die ich betreuen durfte, zubereitet werden konnten - weniger Arbeit für mich und gleichzeitig ein super Förderangebot :D

Bohnensalat
1 große Dose grüne Bohnen
1 Dose Kidneybohnen
1 Dose weiße Bohnen
1 Bund Lauchzwiebeln
2 Knoblauchzehen
4El Weißweinessig
etwas Bohnenwasser
2 El Senf
Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker
1 Bund Petersilie
6 El Öl

Bohnen allesamt abtropfen lassen und spülen, in eine große Schüssel umfüllen. Zwiebeln klein schneiden und zu den Bohnen geben. 
Knoblauch klein hacken und zusammen mit den restlichen Zutaten verrühren. Das Dressing über die Bohnen geben und gut durchziehen lassen. 

Das Endergebnis sah köstlich aus und schmeckte hervorragend - erstes Grillen dieses Jahr :D

Weniger köstlich sah die pürierte Version aus, welche ein paar wenige Bewohner genießen durften. Aber interessant schmeckt das der Brei dennoch
Was soll ich sagen: Veganes Grillen rockt ;)

 Jetzt genieße ich noch ein paar freie Tage, ehe ich meine neue Arbeit beginne. Ich lebe demnächst den Luxus, keinen Schichtdienst mehr zu haben und Dienstwochen von Montags bis Freitags - I love it!!!

So, erster Beitrag fertig. Soweit ich das schaffe (ihr wisst ja, 24 Stunden sind echt zu kurz für mich), folgen die nächsten Tage noch Berichte über die Bürgerinitiative, an deren Gründung ich gerade mitwirke (Schleichwerbung) und Müsli´s Frühling in love ;). Und wenn ich dann noch ganz viel Zeit habe, habe ich noch zwei Filme, die ich euch an´s Herz legen möchte und dann ist meine Freizeit auch schon wieder vorbei :)
Euch allen einen schönen Abend noch.