Mittwoch, 30. April 2014

Allein und betrunken unter Fleischesser in Köln

Meine Urlaube sehen normalerweise wie folgt aus:
Ich besuche Freunde in irgendwelchen Großstädten quer in Deutschland und nutze die Gelegenheiten, um irgendwelche veganen Lokalitäten auszukundschaften. Das hat den Vorteil, dass ich neben dem schönen Wiedersehen so jede Menge tolle Dinge essen kann und meine Freunde wenig in die Schwierigkeit geraten, mich vegan beköstigen zu müssen. (siehe auch unter der Rubrik Rezepte Essen außer Haus)

Letztes Wochenende war ich in anderer Mission urlauben. Die Völkerballmannschaft meiner alten Heimat feierte 35jähriges Bestehen und anlässlich dieses Jubiläums reisten wir gemeinschaftlich in meine Lieblingsstadt Köln. 
An diesem Wochenende habe ich das erste Mal in meinem Leben, ausgelöst durch den Urinstinkt Hunger, bereut, Veganerin zu sein.
Ich versuche diese Reise mal protokollarisch festzuhalten.

Freitag
6 Uhr aufgestanden. Da ich die Tage vorher viel gearbeitet habe und mit der Gründungsveranstaltung der BI-ko-La beschäftigt war, muss ich noch meine Reisetasche packen und etwas Ordnung in meiner Wohnung schaffen. Frühstück: Müsli mit Obst
8 Uhr Abfahrt mit dem Bus Richtung Oldenburger Bahnhof
8:30 Uhr Ankunft am Bahnhof - KAFFEE!!!
9 Uhr Treffen mit den anderen Damen, Verteilen des Begrüßungsschnaps
10 Uhr Abfahrt mit dem Bus, zweiter Schnaps (irgendwas Selbstgemixtes) + erstes Bier
12:30 Zwischenstopp in Münster. Zu den mittlerweile drei Schnaps, zwei Bier und einem Sekt gesellt sich selbstgemixte Bowle im Park
13 Uhr Müsli ist angetrunken, es ist Zeit für Mittag. Aufgrund von Zeitmangel habe ich mir lediglich ne riesen Obstschale fertig gemacht. Die übrigen Damen verzehren belegte Brötchen und Süßigkeiten.
Anschließend noch mehr Schnaps

16 Uhr Ankunft in Köln, Weiterreise ins Hotel, 20 Minuten Zeit, anschließend per S-Bahn in die Stadt. Kurzes Bummeln, danach in ein Restaurant mit dem rustikalen Namen "Peters Brauhaus" (die Verlinkungen zu den Restaurant spar ich mir, da diese nicht sonderlich veganerfreundlich sind).
Kölsch trinken ist angesagt, es gibt auch leider kein anderes Bier....vier Kölsch später rebelliert mein Magen, er benötigt etwas nahrhaftes.
Kurze Info vorweg: Natürlich hatte ich in Anbetracht der Restaurantreservierungen vorher in den anstehenden Lokalitäten angerufen und meine vegane Kost angemeldet.
19 Uhr Essen - der Kellner kann sich an meinen Anruf erinnern und serviert mir voller Stolz SALAT
Neben mir türmen sich Schnitzel, Flammkuchen, Haxen etc. Ich bereue so langsam meine Tour mit Fleischessern. Von meinen Mädels ernte ich mitleidige Blicke, die Leichen auf deren Tellern ernten mitleidige Blicke von mir.
22 Uhr Rückkehr ins Hotel. Bin zwar total übermüdet aber auch total ausgehungert. Der Zimmerservice bietet nic veganes um die Uhrzeit, also bestelle ich mir ein leicht sättigendes Weizenbier, gehe danach vollkommen erschöpft ins Bett und träume von Frühstück.

Samstag
8 Uhr der Hunger treibt mich raus. Duschen und dann ab zum Buffet. Zum Glück erweist sich das Frühstück als einigermaßen tauglich für vegane Kost. Berge an Obst, passende Margarine, Brötchen, Marmelade, Smoothie, riesen Müsliauswahl  und tatsächlich Sojakakao. Ich teste sogar die gebackenen Bohnen, zwar kein typisches Frühstück für mich, aber der Hunger lässt mich alles verschlingen.  
10 Uhr Wanderung Richtung Innenstadt.
11 Uhr zweites Frühstück, welches mir ziemlich auf den Magen schlägt
12:30 Dombesichtigung - ich erstarre jedes Mal wieder vor Ehrfurcht bei diesem unglaublichen Gebäude. Es beschleicht mich erneut dieses Gefühl, dass Köln irgendwann meine Heimat wird.
14 Uhr unter Freunden. Während die anderen Damen sich in ein Cafe verkrümeln, stoße ich auf einen offensichtlich veganen Markt (Thema Tierversuche) - ich bin im Himmel, endlich wieder Menschen um mich, die mich verstehen. Treffe sogar bekannte Gesichter wieder, war ich doch eine Woche zuvor bereits in Köln um am Ostersonntag zum Thema "Die Kirche hat die Tiere vergessen" vor dem Dom zu demonstrieren.
14:30 mir wurde Kölsch mitbestellt....das Bier wird nicht leckerer, je öfter man es trinkt.
15 Uhr Schokoladenmuseum (kenn ich schon) Im Shop ein Mitbringsel für meine Eltern besorgen als Dankeschön fürs Hundehüten: vegane-bio-fairtrade-Schokolade mit Blütenblättern und Erdbeerscheiben (leider kein Foto) und Schokobier. Vom Letzteren nehme ich mir auch eine Flasche mit und stelle schnell fest, dass das Zeug nicht nach Schokolade schmeckt :(

Anschließend ins dortige Cafe. Die Damen bestellen Schokotorte, ich finde nix Passendes auf der Karte. Es gibt wieder Kölsch...
17 Uhr Müsli flieht vor der großen Shoppingtour zu ihrer kölschen Freundin. Bis zum zweiten Restaurantbesuch ist zwar nicht viel Zeit, aber besser einen kurzen, als gar keinen Besuch abstatten.
19 Uhr natürlich komme ich viel zu spät und mal wieder völlig ausgehungert in dem Restaurant mit dem vielversprechenden (*ironieoff*) Namen "Haxenhaus" an. Ein Blick auf die Karte lässt mich schon kurz Zeit hoffen, etwas nahrhaftes zu erhalten "Teigfladen mit gegrilltem Gemüse". Leider offenbart mir der Kellner, dass Eier in dem Teig seien und sie mir nur SALAT anbieten können. Ich besttelle mir eine riesen Portion Brot dazu und bereue es, auf dem veganen Markt nix gegessen zu haben. 

 21 Uhr Weizen trinken, das sättigt wenigstens etwas. Anschließend in ne Discothek. Nach einem Cocktail ist dann meine Schmerzgrenze erreicht, ich laufe betrunken durch Köln, aber unheimlich gut gelaunt. 
1:30 die übrigen Damen wollen unbedingt nen Kaffee für den Rückweg und kehren bei McDonalds ein. Ich nutze die Gelegenheit, um den Laden samt Kunden und Personal zu beschimpfen (leicht alkoholverschuldeter Aggressionsausbruch)
2:30 hungrig und betrunken ins Bett, träume von Rührtofu

Sonntag
8 Uhr Wecker klingelt, torkele aus dem Bett und geh duschen.
9 Uhr Frühstück wie gestern. Magenkrämpfe vom Alkohol breiten sich aus. Zwinge mir ein Brötchen und etwas Müsli rein. Klaue Sojakakao als Wegzerrung vom Buffet, wohl wissend, dass die Magenkrämpfe irgendwann weg sein werden und quälendem Hunger weichen werden. 
Anschließendes Zimmerräumen und Reise zum Bahnhof. Taschen einquartieren und weiter in die Stadt.
11 Uhr Stadtrundfahrt mit Kölsch und Schnaps. Wo die Frauen alle diese Miniflaschen vorkramen ist mir ein Rätsel. Ich boykottiere den weiteren Alkoholkonsum. 
14 Uhr Einkehr in ein Cafe zum Kuchen essen. Ich habe Hunger, leider steht wieder nix für mich auf der Karte. Ich drängel die Gesellschaft, dass wir doch dringend wieder zum Bahnhof sollten und denke sehnsüchtig an ne Kamps-Bäckerei und das Bahnhofsreformhaus Betterlife
15:30 ich kann mich nicht vor dem Rest Bowle drücken, trotz eines Bechers springen bei mir wieder sämtliche Lampen an.
16 Uhr Ankunft am Bahnhof, ich rase durch den Bahnhof und bin auch erst nach einer Spinattasche, einem Muffin, einem Spacebarriegel (von Betterlife) und einem Franzbrötchen (von Kamps) einigermaßen befriedigt. Wegzerrung darf nicht fehlen, also noch zwei weitere Spacebarriegel und zwei Korneck (von Kamps) mit in die Tasche. Zusätzliche Leselektüre besorgt

17 Uhr Abfahrt aus Köln mit dem Bus. Zeitvertreib mit Schlafen und Lesen
22:40 Ankunft in Oldenburg
23:10 Ankunft zu Hause. Erkenntnis des Tages: Man sollte sich nach so einem Wochenende noch einen Tag Urlaub nehmen. Blöd, wenn man, so wie ich, am nächsten Tag um 6 Uhr aufstehen muss :(

Vielleicht bemerkt ihr schnell, dass es alles andere als leicht ist, mit einer reinen Fleischessertruppe unterwegs zu sein, geschweige denn, mit einer Gruppe, die den Umstand, dass manche Menschen sich anders ernähren, nicht bedenken (siehe Restaurantauswahl). Dazu kommt der Umstand, dass es nahezu unmöglich ist, in den typischen Touristengegenden etwas brauchbares veganes zu essen zu bekommen. Das sollte sich wirklich nochmal ändern.
Na ja, ich hab das Wochenende überlebt, auch wenn ich noch weitere zwei Tage mit den Nachwirkungen von Schlafentzug und Alkoholüberfluss zu kämpfen hatte. Das positive an diesem Urlaub war, dass ich doch tatsächlich drei Tage nicht an meine neue Arbeit, Demos, Bürgerinitiative etc. gedacht habe und richtig gut abschalten konnte. Wahrscheinlich hatte mein Kopf vor lauter Hunger einfach keine Ressourcen für andere Gedanken mehr *grins*
Zum Abschluss muss ich festhalten, dass  zum Glück die nächste Fahrt erst wieder in fünf Jahren statt findet ;)

Kennt ihr auch solche Wochenenden an dem die Essensversorgung eine Katastrophe ist?

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