Dienstag, 8. April 2014

BI-ko-La - Eine BürgerInneninitiative gegen Agrarindustrie

Was verbirgt sich hinter BI-ko-La? Ganz einfach: Das Projekt, was momentan nahezu meine komplette Freizeit auffrisst.
BI-ko-La ist die Abkürzung für BürgerInneninitiative kooperierender Landkreise. Diese Initiative befindet sich zur Zeit noch in der Entstehung, am 24.04. findet die offizielle Gründungsveranstaltung statt.
Die Initiative umfasst die Landkreise Oldenburg, Cloppenburg, Vechta und Emsland in Niedersachsen und richtet sich gegen die Agrarindustrie und deren Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt. Die Themen reichen von Tierschutz, Schutz des Wassers über dem Schutz vor MRSA-Keimen, Verhinderung von Menschenausbeutung in der Fleischproduktionsindustrie etc. Vorrangig geht es um die Verhinderung des Baus von weiteren Mastställen und Schlachtanlagen.
Wer diesem Blog bereits länger folgt, kann sich zusammen reimen, dass diese Bürgerinitiative ihre Wurzeln in unserem Bürgerprotest gegen die Schlachtanlage in Ahlhorn hat (siehe Zusammenfassung hier).
Meine Energien stecken momentan in der Öffentlichkeitsarbeit, Verteilung von Handzetteln in den Landkreisen, Planung der Gründungsveranstaltung, Verwaltung eines E-Mail-Verteilers und dem Erstellen einer Homepage für die Initiative (wer sich für das Thema interessiert, findet mehr Informationen unter www.bikola.de).

Wieso investiere ich mich in der BürgerInneninitiative?
Normalerweise ist mein Anliegen die Verhinderung von Tierausbeutung in sämtlichen Formen. Ich gehe auf verschiedene Demonstrationen, führe Diskussionen im Internet und privatem Umfeld, versuche die Idee der veganen Lebensweise zu verbreiten. Ich zähle mich zu den Tierrechtlern, nicht unbedingt zu den Tierschützern (und da gibt es sehr wohl Unterscheidungen).
Diese Initiative hat herzlich wenig mit Veganismus oder Tierrechten zu tun. Es geht um die Agrarindustrie, um die Auswüchse der Massentierhaltung, Keimbelastungen für den Menschen, Verseuchung des Grundwassers durch übermäßige Gülleausfuhr etc. Die Initiative fordert die Unterstützung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, nicht den Fleischverzicht.
Entgegen meiner eigentlichen Überzeugungen, diskutiere ich momentan über Verbesserungen der Tierhaltung in der Landwirtschaft. Wieso eigentlich?
Ich lebe im ländlichen Raum, bin umgeben von Mastanlagen und landwirtschaftlichen Betrieben. Viele der Menschen, die hier leben, verdienen ihren Unterhalt in irgendeiner Form im landwirtschaftlichen Sektor oder in der Fleischproduktion. Als Vegetarier fällt man hier bereits auf, als Veganer zählt man eher zu den "durchgeknallten Spinnern". Wie realistisch ist es, in dieser Umgebung die Menschen für Tierrechte zu begeistern? Ganz ehrlich - die Chancen stehen schlecht. Niemand will sich hier "sein Fleisch verbieten lassen", geschweige denn, die Rechte von Tieren anerkennen.
Allerdings bekommen die Anwohner hier sehr wohl die negativen Auswirkungen der Agrarindustrie mit. Die zahlreichen abgezäunten Mastanlagen, die riesen Schlachtbetriebe, die Mengen an ausgefahrener Gülle, die wachsende Zahl von Maisanpflanzungen etc. lassen sich hier von niemandem weg ignorieren.
Was bringt der Kampf gegen die Agrarindustrie? Dieser "Kampf" findet auf mehreren Ebenen statt.
1. Die Politik - die Politik schafft die Rahmenrichtlinien in denen sich Industrie und auch Landwirte zu bewegen haben. Sei es über Subventionen, Kennzeichnung auf Lebensmitteln, Mindestlöhne in der Fleischindustrie, Tierschutzgesetze etc. es gibt vielfältige Möglichkeiten, das bestehende System zum Positiven zu verändern. Leider folgt unser politisches System stark den wirtschaftlichen Interessen und weniger dem Gemeinwohl der Bevölkerung....es gilt aufzustehen und die Stimme zu erheben.Wir leben in einer Demokratie, d.h. wenn die Bürger eine Veränderung wollen, sind sie sehr wohl in der Lage, diese herbei zu führen.
2. Die Industrie - in der Industrie geht es um Geld, Geld und noch mehr Geld. Darunter leiden im Endeffekt die Menschen, Tiere und Umwelt. Die Auswirkungen der wachsenden Agrarindustrie werde ich jetzt nicht genau im einzelnen beleuchten, letztlich gibt es darüber genug Informationen.
Was kann man gegen dieses System unternehmen? Ganz einfach: KAUFT DEN MIST NICHT MEHR!!! Kein Billigfleisch, allgemein keine Billigprodukte. Informiert euch darüber, wo ihr eure Lebensmittel her bekommt. Unterstützt regionale Landwirtschaft, kauft Bioprodukte. Dieses Thema führt auch gleich zum nächsten Punkt.
3. Der Konsument - das große Thema Aufklärung. Die Industrie ist raffiniert, was die Täuschung des Konsumenten angeht. Tolle Sonderangebote in bunten Verpackungen locken. Zutatenlisten gleichen medizinischen Handbüchern, über Produktionsprozesse gibt es nur schwer Informationen.
Für viele scheint es zu kompliziert, unser Lebensmittelsystem zu hinterfragen. Von da her werden sämtliche Themen diesbezüglich gerne ignoriert. Besonders jetzt, wo die Sonne draußen scheint und das Grillfleisch wieder im Angebot ist....
Die Aufklärung sollte da hin führen, dass wir Konsumenten endlich die Notwendigkeit anerkennen, für unsere Lebensmittel einen angemessen Preis zu zahlen. Wenn wir weg von der Massenproduktion wollen, die gleichbedeutend mit Massentierhaltung, Verwendung von Medikamenten, Spritzmitteln, Gentechnik etc. ist, müssen wir den Landwirten die Möglichkeit geben, auch mit kleineren Produktionsraten ihr Auskommen zu finden.
4. Die Landwirtschaft - ich habe vor einigen Monaten schon mal eine Lanze für die Landwirte gebrochen (siehe hier). Seitdem habe ich mich immer mehr mit diesem Thema auseinander gesetzt und habe meine Meinung etwas geändert. Ich habe immer noch großen Respekt vor einigen Landwirten, die sich gegen die Agrarindustrie wehren. Allerdings ist deren Zahl verschwindend gering. Vielleicht, weil immer mehr Landwirte unter dem allgemeinen Druck aus Politik, Industrie und Bevölkerung zusammen brechen.....
Die Lösung findet sich nicht darin, den Landwirten die Schuld zu geben. Ich baue eher auf Kommunikation, um gemeinsam Lösungen zu finden. Landwirte sind keine Teufel, sie produzieren unsere Lebensmittel und folgen letztlich den Marktansprüchen. Veränderungen werden nicht gegen die Landwirte bewirkt, sondern nur mit den Landwirten.

Puh, jetzt hab ich mir nen Krampf geschrieben. Worum geht es mir letztlich? Ich kann nicht von heute auf morgen den Fleischkonsum oder Tierausbeutung beenden. Aber ich kann für die Verbesserung des Systems einstehen. Ich erreiche wesentlich mehr Menschen, wenn ich für einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln plädiere, als wenn ich den absoluten Verzicht tierischer Produkte fordere.
Vielleicht ist das nicht für jeden nachvollziehbar, warum ich so agiere. Natürlich setze ich mich weiterhin für Tierrechte und die vegane Lebensweise ein. Die Ausbeutung von Lebewesen, die Verdinglichung von Tieren und die Nicht-Anerkennung derer Rechte ist und bleibt einfach falsch und gehört bekämpft. Allerdings wird die Verbesserung der Tierhaltung in der Landwirtschaft, quasi als Zwischenstufe zur Beendigung der Ausbeutung, in nächster Zeit wesentlich mehr meine Aufmerksamkeit fordern.

Danke für eure Aufmerksamkeit zu diesem Thema :)

1 Kommentar:

  1. Ich finde es super, dass du dich so engagierst. Um am Ende ein großes Ziel zu erreichen, braucht es viele Zwischenschritte. Wenn du dich z.B. dafür einsetzt, dass die Bedingungen für Nutztiere besser werden, ist das in deinem Umfeld realistischer, als die Leute zu Veganern machen zu wollen :) Dass du dafür deine Freizeit und somit auch Privatleben "opferst" ist nicht selbstverständlich.

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